Busfahren in Hanoi

Busse in HanoiJa, es gibt Busse in Hanoi. In einer Stadt, in der grob geschätzt 20 Mopeds auf ein Auto kommen. Und sie sind sogar ziemlich schnell. Grund eins: Sie sind ziemlich groß, und haben deswegen automatisch Vorfahrt. Grund zwei: Die Busfahrer wollen ganz einfach schnell fahren. Weiß der Himmel warum.

Deswegen hält ein Bus niemals besonders lange an einer Haltestelle. Er stoppt für wenige Sekunden, und wer in der Zeit nicht das Treppchen hinaufgerannt ist, ist selbst schuld. Gleiches gilt für das Aussteigen. Alte Menschen fahren in Hanoi nicht Bus. Die Gefahr ist zu groß, dass sie beim Aussteigen eingeklemmt werden. Kein Scherz, wer desöfteren in Hanoi Bus fährt, bekommt mindestens eine heftige Auseinandersetzung zwischen dem Kassierer und einem Fahrgast mit, der eigentlich an der gerade vorbeigezogenen Haltestelle aussteigen wollte.

Noch ein BusDer Kassierer ist eine weitere Besonderheit des vietnamesischen Busverkehrs. Er verkauft die Bustickets. Das wiederum ermöglicht es dem Busfahrer, schnell zu fahren, da er sich nicht ums Verkaufen kümmern muss. Passt also. Kontrolleure gibt es nur äußerst selten, und wenn sie einen Gast ohne Ticket erwischen, ist der Kassierer schuld, nicht der Fahrgast. Aus diesem Grund rauschen vollbesetzte Busse auch mal einfach an Haltestellen vorbei: Wenn der Kassierer nicht mehr ungehindert bis zum hinteren Ende des Busses laufen kann, dann gibt es auch keinen Sinn, anzuhalten.

Busfahren ist dem unkundigen Touristen nur bedingt zu empfehlen. Die grobe Richtung steht zwar auf den Schildern, aber um tatsächlich von einem bestimmten Ort zu einem anderen zu kommen, braucht man am besten eine einheimische Begleitung. Die einheimische Begleitung sagt dann beispielsweise zu einem leeren Bus: „Wir nehmen lieber die Nummer 2, denn dann können wir anschließend in die 29 umsteigen. Die ist immer leer. Würden wir jetzt die Nummer 3 nehmen, müssten wir anschließend in die 8. Die 8 ist immer voll.“

Festhalten!20 Minuten später kommt auch tatsächlich eine Nummer 3. Die allerdings ist voll. Ziemlich voll. Macht ja nichts, dafür ist wenigstens anschließend die 29 leer. Beim Umsteigen sagt die einheimische Begleitung: „Komisch, die 29 hätte schon längst da sein müssen.“ Vier vorbeigerauschte Nummer 3 und zahllose andere Busse später sagt sie: „Alle um uns herum warten jetzt auf die 29. Wenn ein Bus mit Verspätung kommt, dann erscheint der folgende meist gleich hintendran. Wir steigen also nicht in den nächsten ein.“

In der Tat: Die folgende 29 ist ziemlich voll, und viele Leute steigen ein. Allerdings nicht so viele, dass man nicht hätte doch noch darin Platz finden können. Eine halbe Stunde später sagt die einheimische Begleitung: „Vielleicht war die ganze Planung ein Fehler.“ Zehn Minuten später: „Aber normalerweise klappt es.“

Weitere zehn Minuten später erscheint schließlich eine weitere 29. Und hinter ihr drei weitere. Vier Busse mit der Nummer 29 tuckern gemütlich in einer Riesen-Karawane die Straße entlang. Der Busfahrer will zuerst die Tür nicht öffnen. Er ruft uns laut zu, dass hinter ihm noch weitere Busse kommen. Also gibt es keinen Sinn, anzuhalten. Er will ja möglichst schnell fahren.

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