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Paparazzi im Krankenhaus

In Vietnam wird die medizinische Versorgung überwiegend von Krankenhäusern erledigt. Private Arztpraxen, wie man sie aus Deutschland kennt, gibt es hier kaum, stattdessen gibt es „Kliniken“ oder „Krankenhäuser“, in denen die Ärzte ihre Sprechstunden abhalten.

Die meisten Durchschnitts-Vietnamesen gehen ohnehin nur zum Arzt, wenn es wirklich, wirklich weh tut. Alles andere wäre viel zu teuer. Außerdem sind vietnamesische Ärzte auch nicht gerade moderne Dienstleister, die dem Patienten Tipps oder Ratschläge geben. Sie schauen auf die Wunde, verschreiben etwas, und rechnen ab. Fertig.

Ein paar Ausnahmen gibt es in Hanoi, das sind zum einen die luxuriöser ausgestatteten Expat-Kliniken (die sich kein Hanoier Durchschnittsbürger leisten kann oder leisten würde), zum anderen das von Frankreich aufgezogene „Viet-Phap-Krankenhaus“. (Was einfach übersetzt „Vietnamesisch-Französisches Krankenhaus“ heißt). Das kombiniert (halbwegs) westliche Dienstleistungsstandards mit deutlich akzeptableren Preisen (allerdings wird sich auch hier nur die Hanoier Mittelschicht finden, und seltener die einfachen Bürger).

Wann immer man also Alltagsprobleme hat, bei denen man sonst zum Hausarzt gehen würde, geht man hier ins Krankenhaus.

Das Krankenhaus hat, wie ich neulich sehen konnte, sogar Angebote wie kostenlose Schwangerschaftsvorbereitungskurse. (Ebenfalls eher selten; normalerweise sind Schwangere auf die Ratschläge ihrer Familie angewiesen.) Den muss man sich so vorstellen: Ein Raum, etwa von der Größe eines Klassenraums. 50 Leute und eine Hebamme. Die 50 Leute passen nicht wirklich rein, also sitzen sie dicht gedrängt, hinten, vorne, an der Seite, überall.

Von den 50 Personen sind drei Männer. Immerhin. Die Hebamme erklärt gerade, wie man ein Baby badet. Jeder zweite Teilnehmer reckt sein Telefon oder eine Kamera in die Höhe, und filmt. Einige stehen auf, um das Geschehen besser auf die Kamera zu bekommen. Ich zähle im Vorbeigehen mindestens 10 iPhones, vier Digitalkameras und ein iPad. Dazu bestimmt ein Dutzend ganz normaler Handy-Kameras. Es sieht tatsächlich ein wenig aus, als wäre hier gerade ein Filmstar angekommen, und würde von der Masse fotografiert werden.

Offenbar traut heutzutage niemand mehr seinem Gedächtnis oder dem Kugelschreiber. Ein bisschen verrückt ist es aber schon: Ich frage mich allen Ernstes, wie viele der Teilnehmer sich den Film zu Hause tatsächlich nochmal anschauen werden. Möglicherweise auch, wenn das Baby da ist: „Schatz, ich weiß nicht, wie ich ihn in die Badewanne legen soll, schalte doch bitte grad mal den Computer an, und lad den Film vom iPhone hoch, damit wir nochmal nachgucken können, wie die Hebamme das gemacht hat!“ Ernsthaft? Glaube ich nicht.

Ich erinnere mich noch an die Zeit mit dem ersten Video-Rekorder am Fernseher. Ich habe damals mit Begeisterung alles mögliche aufgenommen: Eröffnungsfeiern von Olympischen Spielen zum Beispiel. Oder sonstige „wichtige Dinge“, von denen ich dachte, sie sind so schön, dass man sie für die Nachwelt erhalten müsste.

Ich kann mich bis heute nicht erinnern, jemals eine einzige Eröffnungsfeier ein zweites Mal gesehen zu haben.

Und ich bin sehr sicher, von den 20 bis 30 Filmen, die da im Raum gemacht wurden, wird es den meisten ebenso gehen.

One Response to Paparazzi im Krankenhaus

  1. corcampus says:

    Luxus ist dann, wenn bei Geburtsvorbereitungskursen (Himmel, was für ein Wortungeheuer) darum gebeten wird, dass Handys draußen bleiben…

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