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Schwachstrom

Der Winter hat uns wieder. Die Kälte scheint dieses Jahr in Europa und Vietnam zyklisch abzulaufen: Wenn es in Deutschland wärmer wird, wird es in Vietnam wieder kälter. Aktuell ist es sehr ungemütlich. Allerdings hat unser Haus zumindest den Vorteil, dass es sich über die vergangenen Tage und Wochen aufgeheizt hat. Den halbwegs gut isolierten Fenstern sei dank.

Das ist nicht in allen Häusern so. Viele Freunde und Bekannte packen zum Abendessen schon wieder die Wintermäntel aus. Noch schlimmer ist es allerdings auf dem Land. Während sich die Städter notfalls auch einen Elektro-Strahler in den Raum stellen können (wenn sie ihn noch bekommen, die sind zu diesen Zeiten nämlich meistens ausverkauft), können das die Leute auf dem Land nicht. Das heißt, sie könnten. Aber dann säuft ihre Leitung ab.

Zwar hat fast ganz Vietnam mittlerweile Strom, aber auf die Dörfer und in die ländlichen Gebiete wird deutlich weniger Strom geleitet, als in die Städte. Es gibt auch immer wieder Firmen und Fabriken, die sich darüber beschweren. Allerdings sind das wenige, die meisten siedeln sich in fest ausgeschriebenen Industriezonen an, die dann auch wieder Strom bekommen. (Und wo wir schon davon sprechen: Auch bei uns im Stadtviertel ist der nächste Stromausfall bereits wieder von der Stadtverwaltung angekündigt. Am Dienstag wird dem Viertel für einen Tag der Strom abgestellt.)

Der vietnamesische Strompreis ist übrigens gestaffelt: Bis zu einem bestimmten Verbrauch ist er sehr günstig, je mehr man verbraucht, desto teurer wird die folgende Stufe. Das klingt auf den ersten Blick sehr sozial, weil arme Haushalte logischerweise weniger Strom verbrauchen (sie haben ja auch weniger Geld, um sich haufenweise Elektrogeräte und Klimaanlagen anzuschaffen). Wenn man sich dann allerdings vor Augen führt, dass viele ländliche Haushalte gar nicht viel mehr Strom verbrauchen können, weil die Leitung nicht steht, bekommt es einen leicht zynischen Seitenhieb. Und da am Ende auch die Städter und die Wohlhabenden von den günstigen Stromgrundpreisen profitieren, subventioniert der Staat am Ende eigentlich nicht die Armen, sondern die, die es sich leisten könnten, gleich noch mit.

Der staatliche Stromkonzern EVN hat, nebenbei, seine Zahlen für 2011 veröffentlicht, und dabei etwa 130 Millionen Euro Verlust einräumen müssen. (2010 waren die Verluste sogar dreimal so hoch gewesen.) Daraufhin musste jetzt der Vorsitzende Dao Van Hung seinen Hut nehmen. Unter anderem, weil sich herausstellte, dass EVN etwa 100 Millionen Euro in Immobilien, Versicherungsgeschäfte, Aktienhandel und Bankdienstleistungen investiert hat; den Großteil davon erfolglos. Bei Staatsunternehmen keine seltene Sache. Viele haben in den vergangenen Jahren entdeckt, dass man mit diversen Nebengeschäften außerhalb des eigentlichen Hauptbereichs viel mehr und viel schneller Profit machen kann. Bekannteste Tochterfirma von EVN war zum Beispiel der Telefon- und Internetanbieter „EVN Telecom“. Genau den musste EVN jetzt allerdings auch wegen zu hoher Verluste abstoßen.

Als der staatliche Schiffbaukonzern Vinashin vor zwei Jahren ein Minus von 4 Milliarden Euro hatte einräumen müssen, hatte das in Vietnam zu einer kleinen Staatskrise und einer öffentlichen Diskussion über das Management und die Kontrolle der Staatsunternehmen geführt. Seitdem sind vietnamesische Politiker etwas nervöser, wenn es um allzu deutliche Verluste bei Staatsunternehmen geht.

Im Vergleich zu Vinashin nehmen sich die rund 100 Millionen Euro Verlust von Stromkonzern EVN freilich noch halbwegs bescheiden aus. Die 4 Milliarden Euro von Vinashin entsprachen sage und schreibe fünf Prozent des kompletten Bruttoinlandsprodukts.

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