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Einschüchternde Verkäufer

Als die Franzosen in Vietnam die Herrschaft übernahmen, hatte vor allem eine gesellschaftliche Klasse darunter zu leiden: Die Beamten der alten königlichen Regierung. Jene Mandarine, Scholaren und Lehrer, deren Welt und Lebensphilosophie geprägt waren durch die jahrhundertealte Tradition der konfuzianistischen Lehre. In der modernen Welt war ihr altertümliches Wissen plötzlich kaum noch etwas wert. Und durch die neuen Herrschaftsstrukturen büßten sie gleichzeitig auch noch ihre Autorität ein. Zwar ließen die französischen Kolonialherren das alte System teilweise intakt (vor allem in Nord- und Mittelvietnam, offiziell nur „Protektorate“ und keine Kolonien), aber das änderte nichts am realen Bedeutungsverlust.

Einige dieser Beamten mussten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, neue Geldquellen auftun. Und einige kamen offenbar auf die Idee, Läden zu eröffnen. Das allerdings ging in den meisten Fällen ziemlich schief. Verkaufen, Handeln und Geld verwalten war traditionell in Vietnam ohnehin immer „Frauensache“ gewesen (ein anständiger Mann regiert oder geht aufs Feld und verrichtet dort tüchtige Arbeit). Käufer trafen im Inneren eines Ladens stattdessen plötzlich auf Gestalten, die im kompletten Autoritätsgehabe des gebildeten Gelehrten in langen Gewändern in einer Ecke saßen, und sich von Bediensteten Tee servieren oder Luft zufächeln ließen. Kein Wunder, dass da niemand etwas kaufen wollte.

Die Szenerie, wie sie von den Historikern heraufbeschworen wird, erinnert nun allerdings teilweise frappierend an einige vietnamesische Läden im 21. Jahrhundert. Da sind es dann zwar keine elitären Gelehrte, die hinter der Theke sitzen, aber in ähnlicher Weise völlig desinteressierte Verkäuferinnen, deren gelangweilt-mürrischer Blick oft zu sagen scheint: Was zum Teufel fällt dir eigentlich ein, mich hier beim Zeitungslesen und Schlafen zu stören?

Dieser Typus des gelangweilten oder einschüchternden Verkäufers findet sich überwiegend in staatlich geführten Geschäften, von denen einige möglicherweise die Sache mit Service, Nachfrage und Kundenorientierung nicht ganz mitbekommen haben. Er findet sich aber auch in Läden, von denen man eigentlich denken müsste, dass sie an jedem Kunden interessiert sein sollten. Oft hat es wohl auch schlicht mit fehlender Ausbildung der Verkäufer zu tun, möglicherweise mit einem Desinteresse des Geschäftsführers an seinen Angestellten, an der Mentalität des schnellen Jobwechsels. Erklärungen lassen sich einige finden.

Und, wohlgemerkt, das Phänomen ist freilich nicht auf Vietnam beschränkt. Auch in Paris kann man heute noch Verkäufer finden, bei denen man sich sofort unwillkürlich dafür entschuldigen möchte, dass man ihren Laden betreten hat (Franzosen haben offenbar besonders gut diesen ungnädig-gelangweiligen Blick drauf). Ob, umgekehrt, dem Käufer die japanische Mentalität lieber ist, nach der man beim Eintritt in ein Geschäft sofort von allen dort anwesenden Angestellten laut „Guten Tag!“ und „Wie kann ich ihnen helfen?!“ zugerufen bekommt (und dies auch jedes Mal laut wiederholt wird, sobald man an einem Verkäufer vorbei läuft), muss dann jeder selbst entscheiden.

Womit wir wieder in Vietnam wären. Japanische Geschäftsinhaber scheinen hier auffällig häufig ihre Gepflogenheiten den vietnamesischen Angestellten aufzudrängen, gewissermaßen als eine Art „Corporate Identity“. Vor allem in japanischen Restaurants bekommt man beim Betreten von fünf, sechs Vietnamesen laut und schmetternd „Guten Tag!“ entgegen gerufen.

Auf Japanisch, versteht sich.

In diesem Fall wären mir manchmal Gelehrte in langen Roben, die sich still und leise von Luft fächelnden Dienern Tee servieren lassen, als Begrüßung sogar lieber.

2 Responses to Einschüchternde Verkäufer

  1. Gaby says:

    Na, in Deutschland findet man aber auch viele Läden, in denen die Verkäuferinnen mürrisch schauen oder sich ungeniert unterhalten, wenn Kunden kommen. Sie stoppen die Unterhaltung nicht und man muss energisch fragen, ob man bedient wird.
    Ich denke, das liegt an der mangelnden Ausbildung dieser „Aushilfskräfte“.

  2. heike says:

    Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Vietnamesinnen zu schüchtern sind, mich zu bedienen. Die sprechen dann ganz leise und schauen mich nicht an, so dass ich mit Lächeln und Gestik auch nicht weiterkomme.
    In Deutschland gehe ich auf solche Verkäufer zu, die nur mit den Kollegen quatschen und sich am Kleiderständer festhalten und sage ganz freundlich: Entschuldigen sie bitte die Störung, aber könnten Sie bitte…

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