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Fünf Kilometer Stau durch Gaffer

In einem etwas älteren Ratgeber stand mal sinngemäß der Satz: „Die Vietnamesen sind neugierig.“ Ich fand das damals einen überheblichen Satz, denn wie kann man einer ganzen Bevölkerung eine Charaktereigenschaft zuschreiben? Bei dieser Einschätzung bleibe ich auch bis heute.

Allerdings räume ich eine Einschränkung ein: Es gibt Situationen in Vietnam, da scheint Neugierde nicht gesellschaftlich geächtet. Oder anders formuliert: Es gibt im Alltag Momente, da fühlt man sich neugierig bedrängt, während der vietnamesische Gegenüber das offenbar gar nicht so wahrnimmt. Zum Beispiel kann es passieren, dass der vietnamesische Gesprächspartner einfach mal geradewegs auf das Display deines Handys schaut, um deine SMS zu lesen. Ohne sich offenbar etwas dabei zu denken.

Der Hintergrund mag teilweise eine andere Erziehung sein, es mag auch bedingt sein durch die räumliche Nähe, die in Vietnam immer gegeben ist. Vietnamesen wachsen im Normalfall mit deutlich weniger Privatsphäre auf, als sie Deutsche von Kindesalter an haben. Da scheint es dann konsequent, wenn gewisse private Barrieren erst gar nicht existieren. Vietnamesen sind also ganz bestimmt nicht „neugieriger“ als andere Völker, aber in Vietnam lebt man seine Neugierde direkter aus, vor allem, was das private, nähere Umfeld betrifft.

Wo die Sache dann ins Problematische umschlägt ist (mal wieder) der Straßenverkehr. Wir kennen ja alle Sätze wie: „A61 zwischen Kreuz Weinsberg und Heilbronn/Untergruppenbach, fünf Kilometer Stau durch Gaffer“. Passiert auch in Deutschland, wenn mal wieder irgendwo spektakulär ein Auto auf der Gegenfahrbahn brennt, oder ein LKW quersteht oder ähnliches. Im Hanoier Straßenverkehr gibt es keine brennenden Autos (und querstehende LKWs bedeuten im Normalfall keinen Unfall, sondern einfach nur einen wendenden Lastwagen), aber trotzdem ist das Gaffen allgegenwärtig. Ein kleinerer Unfall – sofort gibt es einen Stau, weil alle langsamer fahren und die Köpfe wenden. Eine Menschentraube – sofort bleiben auch zahlreiche andere Motorroller stehen, vergrößern die Traube, und sorgen für Stau.

Das Problem daran ist, dass der wuselige Motorrollerverkehr extrem abhängig ist von einem halbwegs flüssigen Durchkommen. Sobald es irgendwo stockt, ensteht schnell ein sehr dicker, sehr unangenehmer Stau, der schwer wieder aufzulösen ist.

Nicht selten entstehen solche Staus nur deswegen, weil vorne Leute neugierig sind. Das kann bis ins Absurde führen: Wenn Menschen an einer Brücke stehen und hinunterschauen, obwohl dort gar nichts ist, kann es eventuell dazu führen, dass andere Verkehrsteilnehmer ebenfalls stehenbleiben und runterschauen (und suchen – irgendwo muss ja was sein…), und je mehr und je länger Leute dort stehen und runterschauen, desto dichter wird das Gewühl. Jeder muss unbedingt ans Brückengeländer, um sich selbst davon zu überzeugen, dass da in Wirklichkeit gar nichts ist (oder vielleicht mal war, aber mittlerweile nicht mehr).

Fünf Kilometer Stau werden das zwar nicht. 500 Meter können, bezogen auf innerstädtischen Verkehr, aber schon genauso lästig sein.

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