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Raus aus der Armut

Ich habe vergangene Woche eine Bauernfamilie kennengelernt, bei der der Vater vor einem Dutzend Jahren an Tuberkulose erkrankt ist. Tuberkulose ist eine mittlerweile eigentlich weitgehend problemlos heilbare und nicht tödliche Krankheit, wenn sie rechtzeitig entdeckt und behandelt wird. Da aber viele Menschen schlecht darüber aufgeklärt sind, verheimlichen sie die Krankheit, oft über Jahre. Angst vor sozialer Ausgrenzung spielt da mit rein. Angst, als jemand diffamiert zu werden, der eine Krankheit hat, die man in überraschend weiten Teilen der Gesellschaft mit starker Armut, mit HIV oder Drogenabhängigkeit assoziiert.

Das einzige, was daran stimmt, ist die Sache mit der Armut. Teilweise. Tuberkulose ist eine Krankheit, die sich eher in armen Gesellschaften verbreitet, aber weil es eine Ansteckungskrankheit ist, macht sie selbstverständlich auch vor wohlhabenden Menschen nicht Halt. Erst recht in Ländern, in denen auf den Straßen, in den Häusern, auf den Märkten alle so eng beieinander sind.

Die Familie jedenfalls hat die Krankheit versteckt. Die Eltern haben weiterhin Gäste eingeladen, aber die Kinder, die, die Angst und Sorge der Eltern gespürt haben müssen, haben sich in der Schule zurückgezogen. Die Kinder wussten außerdem, dass sie besonders arm sind. Der Vater war geschwächt. In der Landwirtschaft aber zählt jede Hand. Sobald ein Familienmitglied ausfällt, ist die komplizierte, aufwändige Abfolge des Reisanbaus oft nicht rechtzeitig zu bewältigen. Die Folge: Schlechte Ernte. Die Kinder wuchsen also allein auf. Sie mieden andere Kinder bewusst. Schließlich starb der Vater. Er hatte nach Jahren zwar die richtige Behandlung bekommen, aber zu spät.

Die Kinder sind heute mittlerweile alle Anfang 20. Eine Tochter studiert Pharmazie und arbeitet bereits nebenher in einer Apotheke, ein Sohn studiert Informationstechnologie. Das dritte Kind will demnächst an die Uni. Dass Kinder mit diesem familiären Hintergrund, mit dieser konkreten, belastenden Erfahrung, es geschafft haben, die Universität zu erreichen (und die berüchtigten vietnamesischen Uni-Aufnahmeprüfungen zu bewältigen), ist für mich eine schier unglaubliche Tatsache. Selbst in Deutschland, wo im Gegensatz zu Vietnam die Ausbildung kostenlos ist, und alle krankenversichert, wo die „Armen“ im Vergleich weniger arm sind; stelle ich mir eine solche Aufsteigergeschichte (arme Familie, Vater erkrankt, Familie wird noch ärmer, Kinder meiden aus Scham Sozialkontakte – und landen schließlich an der Universität) schwierig und zumindest bemerkenswert vor.

Der Kommentar der Tochter dazu lautete übrigens: „Ich wünschte, ich hätte all das, was ich heute weiß, früher gewusst – dann würde mein Vater noch leben.“

3 Responses to Raus aus der Armut

  1. asiafan says:

    In Deutschland sind Ausbildung und Krankenversorgung kostenlos? In welcher Traumwelt leben Sie denn?

    • ngungon says:

      Dass die Krankenversorgung in Deutschland kostenlos ist, war in der Tat Blödsinn. Ich hab’s geändert. Schulgebühren gibt es meines Wissens in Deutschland nicht, und nicht alle Bundesländer erheben Semestergebühren.

  2. Fat chinese says:

    Danke fuer den interessanten Beitrag….echt bemerkenswert der Bildungserfolg!

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