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Korruption, aus Bürgersicht

Ich bin über einen Artikel in der vietnamesischen Tageszeitung Thanh Nien auf das „Global Corruption Barometer“ aufmerksam geworden. Eine Umfrage von Transparency International, bei der 1000 Personen in Vietnam in persönlichen Interviews gefragt wurden, wie sie die Korruption in ihrem Land beurteilen. (Wer will kann sich hier sogar das Zip-File herunterladen [.zip], in dem die Methodik aufgeschlüsselt wird, unter anderem wird angegeben, welcher Dienstleister im Auftrag von Transparency International die Befragung durchführte, und so weiter.)

Die Daten sind spannend. So sind zum Beispiel 55 Prozent der Vietnamesen der Meinung, Korruption habe in den vergangenen zwei Jahren zugenommen, gleich 86 Prozent sagen, Korruption sei ein Problem im öffentlichen Sektor, 36 Prozent sagen, Vietnam werde „zum großen Teil“ von einigen wenigen Akteuren in deren eigenen Interesse geleitet (weitere 47 Prozent sagen „zum Teil“) und nur ein Viertel der Befragten waren der Meinung, die Anti-Korruptionsarbeit der Behörden sei effektiv.

Betrüblich?

So richtig Leben kommt in die Sache, wenn wir die Zahlen aus Deutschland gegenüber stellen. Da sind nämlich 57 Prozent der Meinung, Korruption habe zugenommen, 87 Prozent sagen, Korruption sei ein Problem, 56 Prozent sagen, Deutschland werde „zum großen Teil“ von einigen wenigen Akteuren geleitet, und nur 14 Prozent halten die Anti-Korruptionsarbeit der Behörden für effektiv.

Fällt was auf? Laut diesen Zahlen steht Deutschland schlechter da als Vietnam. Die Deutschen sehen das Korruptionsproblem noch schlimmer als die Vietnamesen. Entscheidend ist jetzt natürlich, was Vietnamesen und Deutsche jeweils unter Korruption verstehen. Und die Gegenüberstellung macht eines deutlich: Dieser erste Teil der Umfrage sagt sehr viel über die Unzufriedenheit der Bürger mit bestimmten Entwicklungen aus. Sie sagt sehr wenig darüber aus, wie es tatsächlich um Korruption bestellt ist.

Aussagekräftiger ist da schon der zweite Teil.

Welche Institutionen sind aus Sicht der Vietnamesen korrupt? 72 Prozent der Befragten sagen „Polizei“, 58 Prozent sagen „Ärzte und Gesundheitswesen“, 55 Prozent sagen „Behörden“, 50 Prozent sagen „Schule und Bildungseinrichtungen“. Relativ gut weg kommen hingegen das Militär, die Medien, die Wirtschaft und „die Parteien“ (wobei wir da im Fall von Vietnam wohl den Plural streichen müssten), die alle bei 20-30 Prozent liegen.

Man kann jetzt anfangen darüber zu spekulieren, ob 30 Prozent Korruptionsverdacht gut oder eigentlich trotzdem noch recht miserabel ist. Da hilft aber interessanterweise der Vergleich mit Deutschland.

Denn dort ist die vietnamesische Liste fast komplett auf den Kopf gestellt. Über 60 Prozent erreichen hier die Politischen Parteien und die Wirtschaft, es folgen Medien und Parlament (jeweils etwa 50 Prozent). Am Ende rangieren Schule und Polizei (20 Prozent).

Reden wir also von derselben Korruption? Offensichtlich nicht. Die Korruption, die die Vietnamesen umtreibt, bezieht sich auf ganz konkrete Fälle: Polizisten, Lehrer und Ärzte, die nach Geld für ihre Leistungen fragen. Dazu passt auch der letzte Teil der Umfrage: „Haben Sie oder Mitglieder ihrer Familie in den vergangenen 12 Monaten an folgende Dienstleistungen Schmiergeld gezahlt?“ 48 Prozent der befragten Vietnamesen sagen ja, wenn es um die Polizei geht. 22 Prozent erzählen von Schmiergeld an Ärzte, weitere 20 Prozent von Bestechung für Bauarbeiten. Justiz und Schule kommen ebenfalls vor. Nur 5 Prozent haben ihre Steuerbehörde bestochen. Was aus meiner Sicht sehr viel über das Steuersystem in Vietnam aussagt, und wenig über mögliche Korruption in den Steuerbehörden.

Insgesamt überrascht mich die niedrige Zahl bei Gesundheit und Bildung sogar etwas, allerdings wäre zu hinterfragen, ob einige der „Zahlungen“, die an Lehrer geleistet werden, von den Betroffenen überhaupt als Schmiergeld angesehen werden oder nicht eher als „Geschenk“.

Was sagt Deutschland? „Not Data“ sagt Deutschland. Leider habe ich bislang keine Erklärung gefunden, was das wiederum bedeutet. Zu wenige Deutsche haben die Frage beantwortet? Eine Hilfsbrücke kann eventuell Großbritannien bieten, da gibt es wenigstens Daten, und die liegen in fast allen Bereichen deutlich unter 5 Prozent, mit Ausnahme von „Gerichten“ und „Behördenregistrierungen“, da kam es offenbar auch unter Briten bei 10 Prozent der Befragten vor, dass Geld gezahlt wurde.

Was sagt uns das jetzt?

Die Deutschen sorgen sich um das große Ganze. Um die großen Schmiergeld-Deals, bei denen gleich ganze Millionen fließen, oder Politiker, Wirtschaftsvertreter und Journalisten ihre Arbeit nicht korrekt ausführen, weil sie auf andere Art und Weise bestochen oder beeinflusst werden.

Für Vietnamesen hingegen ist Korruption Realitätsalltag. Sie zahlen, ganz konkret, an Polizisten, Lehrer, Ärzte und Beamte Geld, damit gewisse Leistungen überhaupt in Gang kommen. Dagegen werden Politik, Wirtschaft und Medien als deutlich weniger korrupt angesehen, wobei die Frage offen bleibt, wie die Befragten den Begriff „Korruption“ denn nun eigentlich definieren, ob es ihnen angesichts der Alltagskorruption einfach egal ist, was Politik und Wirtschaft tun, oder ob sie diesen großen, schwerer zu erfassenden Akteuren tatsächlich mehr vertrauen.

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