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Hanoi wird groß

Die Abgeordneten haben sich vergangene Woche entschieden: Hanoi soll größer werden. Die Stadt wird vom einen Tag auf den anderen von 3 Millionen auf 6 Millionen Einwohner wachsen und künftig von der Fläche her die dreifache Größe von Berlin haben.

Hier geht sowas. Hier kann man von einem Tag auf den nächsten die Stadt verdoppeln. Sogar ziemlich schnell. Ende Juni beschlossen, ab 1. August schon umgesetzt. Lösungsweg: Einfach die Verwaltungsgrenzen erweitern. Künftig umfasst Hanoi eine komplette angrenzende Provinz und dazu mehrere angrenzende Provinzteile.

Noch vor etwa einem Monat hatte das Parlament diese Idee überwiegend abgelehnt. Zu früh sei der Schritt, zu wenig durchdacht, zu wenig im Sinne der Bürger. Überhaupt gibt es eine ganze Menge Gründe, die gegen eine solche Erweiterung stehen. Und auch einige Gründe, die für eine Erweiterung sprechen. Immerhin eine Erweiterung, mit der bis ins Jahr 2050 die Hauptstadt Hanoi auf voraussichtlich knapp 20 Millionen Einwohner anwachsen soll. Prognosen zufolge. Das würde die Hauptstadt in eine Reihe mit Metropolen wie Tokio und Seoul stellen. Asiatischer Megalomanismus. Angemessen für ein Land mit dem zweitgrößten Wirtschaftswachstum in Asien?

Für die Erweiterung spricht unter anderem, dass der Stadt-Zuzug sowieso stattfindet. Die umliegenden Provinzen werden immer mehr bevölkert, und zwar letztlich wegen ihrer Nähe zur Hauptstadt. Zur Stadtplanung ist es dann nur konsequent, sie auch gleich der Hauptstadt zuzuschlagen. Das könnte die Verwaltung vereinfachen und den Zuzug steuerbarer machen. Für die Erweiterung spricht auch, dass eine Hauptstadt automatisch Großprojekte anzieht, und dafür Platz braucht. Der wird langsam knapp. Gegen die Erweiterung spricht, dass die Stadt schon jetzt schwer zu handhaben ist, dass das mit einer Riesen-Metropole möglicherweise kaum besser sein wird, dass außerdem wertvolle Ackerfläche verloren gehen könnte, von verwunschenen Pagoden oder kleinen Dörfern auf dem Land ganz zu schweigen. Auf letzteren Punkt hat das Parlament ganz besonders hingewiesen, und es wurde versprochen, dass dies nicht der Fall sein wird. Ob das aber in ein paar Jahren tatsächlich die Bau- und Wirtschaftsexpansionswut zurückhalten wird?

Gegen die Erweiterung spricht auch, dass beispielsweise Frankfurt eine weltbekannte Großstadt sein kann, obwohl es nur 500.000 Einwohner hat, und man ähnliches sicherlich auch in Vietnam durchexerzieren könnte: Haufenweise Städte im Land könnten eine Vergrößerung gut ertragen, ohne gleich kurz davor zu stehen, die 10-Millionen-Grenze zu sprengen. Anstatt also eine „Hauptstadt-Mega-City“ zu planen, könnte man den ländlichen Zuzug stattdessen auch gezielt in aufstrebende Städte wie Danang oder Haiphong lenken. Oder in noch kleinere Städte. Der Ausgleich der Regionen ist eigentlich auch vietnamesische Politik: Beispielsweise wurden in den vergangenen Jahren gezielt Industrieflächen oder industrielle Großprojekte in Mittelvietnam angesiedelt, um die Gegend dort mit Arbeitsplätzen zu versorgen.

Es spricht also einiges dagegen und einiges dafür, und eigentlich sah das das Parlament auch so. Bis es dann am Ende vergangener Woche zu 93 Prozent für die Erweiterung stimmte. Ein Lehrstück in Parlamentarismus war die ganze Sache nicht unbedingt. Oder vielleicht gerade doch, aber eher, was die unschönen Seiten angeht. Einerseits hat das Parlament sich in den vergangenen Jahren viele Rechte erkämpft, hat gelegentlich auch gegen die Regierung gestimmt, und passt heute nicht mehr in das Klischee eines „sozialistischen Abnick-Parlaments“. Andererseits… stimmt es trotz zuvor ernsthaft und überzeugend vorgetragener Bedenken zu 93 Prozent für den Vorschlag der Regierung.

Ein befreundeter Parlamentarier sagt beim Bier seufzend: „Was will man denn machen, wenn der Großteil der Abgeordneten gleichzeitig im Hauptjob Staatsbeamte sind? Auch viele Abgeordnete aus den Provinzen dienen gleichzeitig dem Staat und sind fest in dessen Hierarchien verankert. Die erzählen einem dann: Ich würde ja gerne, aber mein Chef hat mir gesagt…“

Deswegen hat Hanoi vom 1. August an sechs Millionen Einwohner, und ist damit offiziell genauso groß wie die Wirtschaftsmetropole Ho-Chi-Minh-Stadt. Wie bereits gesagt: Das geht tatsächlich so schnell. Die Verwalter sind angeblich bereits bestimmt, die Verwaltungsstrukturen zum Großteil bereits festgelegt. Die Regierung hat alles genau geplant. Wer wagt da noch zu widersprechen?

4 Responses to Hanoi wird groß

  1. Dom says:

    Wow! Wie kommt man zu so doch recht profundem Einblick?? Allein über die englischsprachige Presse?

  2. admin says:

    Ob der Einblick jetzt wirklich tief ist, weiß ich nicht. Wie es bei politischen Themen eben so ist: Es mag Leute geben, die mir da völlig widersprechen werden und auch völlig anderer Meinung sind. Aber meine „Quellen“ stehen ja im Text: Ich kenne mittlerweile ein paar Menschen aus dem Umfeld des Parlaments, und ich rede viel mit Vietnamesen und Ausländern, die hier leben.

  3. Dom says:

    Kannst du denn gut vietnamesisch? Nur so aus Interesse. Weiter so….alles schön zu lesen hier!!

  4. admin says:

    Nicht so gut, wie ich gerne würde.

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