Wenn’s fällt, macht’s “dong”

Die vietnamesische Finanzpolitik besteht darin, den Dong möglichst niedrig zu halten, um weiter den Export als Trumpf ausspielen und ein hohes Wirtschaftswachstum halten zu können. Leitwährung ist dabei der Dollar, schon seit Jahren steht der Dong sehr stabil zum Dollar, bei einem Umtauschwert von etwa 16.000 zu 1. Im Falle größerer Gefahr kauft die vietnamesische Staatsbank in großem Stil Dollar auf, um den Kurs stabil zu halten.

Das war, so mutmaßten manche Wirtschaftsfachleute schon im vergangenen Jahr, eine der Initialzündungen für die galoppierende Inflation, die im Juni bei offiziellen 26,8 Prozent (Jahr zu Jahr) angekommen ist. Neben all den anderen Gründen (Ölpreis, Nahrungsmittel, etc.) hatte die Zentralbank beim Aufkauf von Dollar zu viele Dong auf den Markt gebracht und so die Inflation angeheizt.
Jetzt zeigt sich ein zweiter Effekt: Der Dollar wird rar. Und das schafft einen grauen Markt, auf dem der Dollarkurz um einiges höher liegt, als er offiziell steht. Die Weltbank hat vor kurzem gewarnt, dass vor allem internationale Firmen den Dollar zu einem sehr viel höheren Preis kaufen müssen, weil vietnamesische Firmen bevorzugten Zugriff erhalten. Offiziell steht der Dong sowieso schon bei 16.850 Dollar, so schlecht wie seit zehn Jahren nicht mehr. Inoffiziell, auf dem grauen Markt, muss man 18.000 bis 19.000 Dong zahlen, um einen Dollar zu erhalten. Das belastet Händler, die in Dollar zahlen, es belastet aber auch beispielsweise ausländische Restaurants, die ihre Lebensmittel auf dem internationalen Markt einkaufen. Mittlerweile gehen sogar einige Banken diesen Weg, und erfinden Zusatz-Gebühren, um den Wechselkurs höher zu schrauben.

Das alles hat das Raunen und Tuscheln unter Börsianern und Finanzinvestoren verstärkt, und wenn Börsianer und Investoren tuscheln, ist das bekanntlich selten gut, denn Finanzmärkte sind immer auch „Pschüchologie“. Die ersten sehen den Dollar in ein paar Monaten auch offiziell schon bei 20.000, die anderen fragen sich, wie die Staatsbank den Dollar-Aufkauf weiter finanzieren will, und weisen darauf hin, dass 22 Milliarden Dollar Währungsreserven eigentlich nicht allzu viel sind.

Sogar die Singapur-Korrespondenten von Bloomberg haben sich jetzt der Sache angenommen, und in einem Artikel vom 3. Juli das zusammengefasst, was man hier an den Straßenecken hören kann. Mit ein paar sehr schönen Zitaten allerdings. Ein Portfolio-Manager wird zitiert, die ganzen Entwicklungen seien eine wichtige und rechtzeitige Erinnerung daran, mit welchen Problemen die hochgelobten „emerging markets“ immer auch zu kämpfen hätten. „Jeder von uns macht gerade einen Schritt zurück“, sagt der Investor.

Das ist schön für die Investoren, allerdings keine gute Nachricht für Vietnam.

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