Gegenmeinung

Sozialwissenschaften, Wirtschaft und Politik wären ja nicht so spannend, wenn es nicht zu mindestens jeder Meinung auch eine Gegenmeinung gäbe. Auf einer wissenschaftlichen Mailing-Liste flatterte gerade die Gegenmeinung zur derzeitigen Wirtschaftssituation herein.

Der Autor argumentiert, dass man noch vor einem Monat wirkliche und echte Angst vor einer Währungskrise hätte haben müssen, aber dass das doch jetzt im Juli schon wieder anders aussähe. Das Handelsbilanzdefizit betrug im Juni „nur noch“ 1,3 Milliarden US-Dollar. Vietnam hatte in der Tat Erfolg darin, seine Exporte anzukurbeln.

Auch die Sache mit der Börse kann man so oder so sehen. Fakt ist, der Aktienindex liegt derzeit bei 430 Punkten, wo er 2007 noch bei 1500 Punkten stand. Man stelle sich den DAX gedrittelt auf 2000 Punkten vor. Brrr. Andererseits war die vietnamesische Börse im Juni noch bei 366 Punkten, den derzeitigen Stand könnte man also auch als Plus von 17 Prozent interpretieren.

Und schließlich steht die vietnamesische Inflation anstelle von 27 Prozent nur bei 9,5 Prozent, wenn… WENN man die Nahrungsmittel rausrechnet (fast die Hälfte des durchschnittlichen Monatseinkommens geht laut Verbraucherpreisindex in Vietnam für Nahrungsmittel drauf). Da stellt sich dann die spannende Frage, ob Lebensmittelpreise in den kommenden Monaten sinken. Auch dazu gibt es ja in Deutschland lange Debatten.

Kurz und gut, rosig sieht das alles immer noch nicht aus, aber man kann auch positive Zeichen erkennen, wenn man will. Einhellige Meinung scheint allerdings zu sein, dass der Dong weiter gegenüber dem Dollar abwerten wird. Und zwar offiziell langsamer, als es der Realität entspricht, was wohl den Schwarzmarkt noch eine Weile am Leben erhalten wird.

Aber sicherlich gibt es auch dazu wieder eine Gegenmeinung.

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