Dunkles Land II

Manchmal hat das Leben schon seltsame Zufälle.

Wie dunkel Vietnam wirklich sein kann, habe ich drei Stunden nach dem Beitrag „Dunkles Land“ erfahren: Der Strom fiel aus.

StromausfallNein, falsch: Der Strom wurde abgeschaltet. Vietnam speist seine Stromversorgung vor allem aus Kohle- und Wasserkraftwerken. In Zeiten von Trockenheit werden in regelmäßigen Abständen und in sozialistisch gleichmäßiger Verteilung den Wohnvierteln Hanois der Saft abgedreht. Und zwar ohne Vorwarnung und komplett.Meine Frage: „Wird der Stromausfall lange dauern?“ wurde beantwortet mit: „Nein, ich denke nicht, dass es die ganze Nacht gehen wird.“

Es war gerade mal 17 Uhr abends.

Das komplette Viertel war dunkel, nur das Hochhaus gegenüber hatte offenbar in den Treppenhäusern Licht. Was daran lag, dass die Hochhäuser hier über Notaggregate verfügen. Es soll ja niemand im Lift steckenbleiben. Der Dieselgenerator machte dann auch einen ziemlichen Lärm und roch bis ins Zimmer nach … nach Diesel halt.

Viele vietnamesische Familien überlegen offenbar, ob sie sich nicht ebenfalls mit einem kleinen Dieselgenerator versorgen, um solche Stromabschaltungen zu überbrücken. Immerhin gibt es sie bevorzugt im Sommer (Kühlschrank! Klimaanlage!). Ich habe mir dann vorgestellt, wie ein gesamtes Wohnviertel jeder sein eigenes kleines Kraftwerk am Haus betreibt… nein, ich stelle es mir lieber nicht vor.

Der japanische Premier Shinzo Abe hat bei seinem Staatsbesuch nach der APEC übrigens erwähnt, dass Japan Vietnam falls gewünscht auch beim Bau von Atomkraftwerken unterstützen würde.

Ich bin neuerdings ein sehr großer Fan von Atomkraftwerken geworden.

PS: Der Strompreis beträgt hier übrigens 783 Dong (ca. 3,8 Eurocent) pro Kilowattstunde. Der staatliche Stromkonzern EVN muss angeblich etwa 40 Prozent seines Stroms von privaten Stromkonzernen kaufen, zum Preis von 847 Dong pro Kilowattstunde. Angeblich legt der Staat damit jährlich 212 Millionen US-Dollar drauf. Deswegen sollen jetzt auch die Strompreise um rund 9 Prozent angehoben werden. Das ganze ist aber etwas unübersichtlich, da gleichzeitig auch gilt, dass Familien, die mehr Strom verbrauchen, auch überdurchschnittlich höhere Preise zahlen müssen.

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