Parlament für Todesstrafe

Die Regierung hatte ja vor kurzem einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der die Todesstrafe für einige Delikte abschaffen sollte. Vergangene Woche hat sich jetzt die vietnamesische Nationalversammlung (genauer: der Justizausschuss) gegen den Entwurf ausgesprochen.

Unter anderem wäre es darum gegangen, auch für Korruption keine Todesstrafe mehr zu verhängen. Vor allem dagegen wandten sich die Parlamentarier entschieden, und argumentierten, dass Korruption „noch immer eine nationale Katastrophe“ sei. Genauso sei der Schmuggel von gefälschten Medikamenten eine gefährliche Straftat, weil er zum Tod von Konsumenten führen könne.

Und deswegen, so die Ansicht der Politiker, müsste auf diese Verbrechen auch weiterhin die Todesstrafe stehen.

7 Responses to Parlament für Todesstrafe

  1. m says:

    Das ist schon herb.
    Meine Freundin unterrichtet in Integrationskursen. Sie sagt, das Thema Todesstrafe ist das, vor dem es ihr in jedem Kurs graut. Ihre Schüler sind hauptsächlich Russen, Chinesen und Vietnamesen und würden die Todesstrafe mit Vehemenz verteidigen. Sie würde da wie gegen eine Wand argumentieren.

  2. GF says:

    Ich bin auch entsetzt!

  3. Gerade wir Deutschen sollten da die Fahne hochhalten! Wurde doch die Wuerde des Menschen eine Generation zuvor in den Gaskammern von Auschwitz u.ä. mit Füssen getreten. Ds war vor mehr als einem halben Jahrhundert. Warum kann die Menschheit nicht lernen? Muss jedes Volk wirklich seinen Weg aus der Baeberei finden? Mit welchem humanitären Recht massen sich politische Systeme an, über Leben und Tod des Individuums zu entscheiden?

  4. … und ist nicht Korruption gerade eine Frage des Systems?

  5. Martin L says:

    Nun, ich gebe euch ja allen Recht. Ich bin auch entschieden gegen die Todesstrafe, schon allein aus dem Grund, dass man nie in allen Fällen immer zu 100% sicher sein kann, dass man tatsächlich den wahren Täter gefunden hat… die Menschenwürde usw. mal „ausgeklammert“.
    Und wir Deutschen können vielleicht tatsächlich behaupten, wir hätten etwas aus unserer Vergangenheit gelernt (vielleicht).

    Nur, wir sollten nicht mit dem erhobenen Zeigefinger in Richtung China, Vietnam wedeln. Man bedenke, dass die Todesstrafe ja nun leider auch in westlichen Ländern noch sehr aktuell ist… und im Vergleich zu China und Vietnam gibt es dabei kaum einen kulturellen Unterschied. Im Falle der asiatischen Länder dürfen wir diesen nicht vernachlässigen. Bsp: Soweit ich weiß geht es z.B. in China ganz klar um das Gemeinwohl, ein Gefühl welches bei uns nicht wirklich besteht, wir sind alles Individualisten, auf die ein oder andere Art. In China steht das Gemeinwohl über dem Wohl des Einzelnen, d.h. arbeite ich durch Korruption oder auch Steuerhinterziehung gegen die Allgemeinheit und das Wohl des Staates (und der Partei), dann muss ich dafür hart bestraft werden. Ein Gedanke, dem wir zumindest in seiner endgültigen Konsequenz nicht verstehen können. (Nehme an, dass es in Vietnam ähnlich ist…???)
    Will man der chinesischen Partei glauben, dann wurde in den letzten Jahren auch einiges gegen „unrechtmäßige“ Todesurteile getan. Die Fakten sprechen allerdings dagegen. In China werden mehr Menschen hingerichtet als in allen anderen Ländern mit Todesstrafe zusammen.

    Sicherlich müssen wir unseren Standpunkt klar machen und gegen die Todesstrafe arbeiten, weil ja auch allzu oft Unschuldige davon betroffen sind. Nur, welcher Weg ist der richtige? Hm, ein sehr schwieriges Thema, für das hier, in diesem schönen Blog eigentlich kein Platz ist….:-)

  6. GF says:

    Vielen Dank für den Denkanstoß, Martin. Aber ich bin dennoch eine totale Gegnerin der Todesstrafe und bedauere das Abschmettern des Gesetzentwurfes sehr.

  7. Martin L says:

    Da stimmt! Wenn diese Chance so greifbar nahe ist, dann ist es besonders schade…

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