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Überlegungen über Unterschiede

Ich bin zurück. Zwei Wochen Kambodscha waren sehr erhellend. Aber sie haben auch einige Fragen aufgeworfen. Unter anderem über kleine, aber auffällige Unterschiede zwischen den beiden Nachbarländern.

  • Die Englischkenntnisse. Aus einem Grund, den ich nicht verstehe, sprechen die Kambodschaner besser Englisch. Damit meine ich nicht diejenigen, die sowieso Englisch sprechen, also die Geschäftsleute, sondern die einfache Bevölkerung. In Vietnam kann es einem selbst an der Hotelrezeption in kleineren Pensionen schnell passieren, dass außer „Hello“ wenig Englisch vorhanden ist. In Kambodscha verblüfft sogar die Putzfrau mit ein paar Brocken. („I am clean now your room finish.“) Und das betrifft nicht nur touristische Zentren, sondern auch touristenärmere Landstriche.
    Ein Erklärungsversuch lautete, dass Khmer den europäischen Sprachen etwas ähnlicher sei, und so das Lernen leichter falle. Ähnlich wie die Hmong in Nordvietnam auffallend gut Englisch sprechen, weil ihre Sprache eine andere ist. Ganz befriedigend ist dieser Ansatz nicht, aber er bleibt vorerst der einzige. Am Bildungswesen kann es eigentlich nicht liegen. Da liegt Vietnam deutlich vorne, mit unter anderem einer deutlich niedrigeren Analphabetenrate.
  • Die Lebensmittelpreise sind unglaublich hoch in Kambodscha. Das schlägt sich auch auf sämtliche Garküchen- und Restaurant-Preise nieder. Es war kaum möglich, in ein einfaches Restaurant zu gehen, ohne fünf Dollar pro Mahlzeit auf den Tisch zu legen. Das entspräche etwa 80.000 Dong, und dafür bekommt man in Restaurants mit vergleichbarem Standard in Vietnam gleich zwei Mahlzeiten. Erklärungsversuch: Kambodscha muss mehr Nahrungsmittel importieren? Dass fast überall im Land auch von Einheimischen fast nur mit US-Dollar bezahlt wird, und der kambodschanische Riel ein Randdasein fristet, hilft natürlich sicherlich auch nicht.
  • Wirklich überzeugt hat mich das Essen allerdings sowieso nicht. Eigentlich müsste es für den deutschen Gaumen insofern angenehmer sein, weil es mehr Soßen verwendet (Curry, Kokosmilich, etc.). Vietnamesisches Essen gewinnt aber klar nach Punkten. Einzige Ausnahme: Eine wunderbare frisch kochende Fischsuppe in einer Hafenkneipe in Kep, und frisch gefangene Krabben in der gleichen Region.
  • Holz wiederum ist spottbillig. Auch das merkt man den Hotels an. Selbst einfache Backpacker-Unterkünfte überraschen mit wunderschön geschnitzten und soliden Massiv-Holzbetten.
  • Die Menschen sind freundlicher. Auch wenn ich mit solchen Urteilen eigentlich sehr vorsichtig bin, gibt es da kaum etwas dran zu deuteln. Das geht so weit, dass einem die Freundlichkeit auch fast schon wieder auf die Nerven gehen kann (Bettler zum Beispiel pflegen nicht nur zu grüßen, sondern auch noch, sich zu verabschieden!?), aber es ist insgesamt eine sehr viel angenehmere Atmosphäre als im verbissenen Hanoi. Auch das Feilschen mit Touristen ist von erstaunlicher Fairness. Wenn eine Tuk-Tuk-Fahrt für Einheimische etwa 2 Dollar kosten würde, dann fängt der Fahrer bei 3 Dollar an zu feilschen, und man kann ihn ohne Probleme auf 2,50 Dollar herunterhandeln. Der Hanoier Motorradtaxi-Fahrer würde da ohne mit der Wimper zu zucken erstmal beim Doppelten oder Vierfachen Preis anfangen (je nachdem wie naiv die Touristen aussehen). Es ist mir in Hanoi auch höchst selten passiert, dass Fahrer selbst nach Beendigung ihrer Pflicht noch mit den Gästen schwätzen. Erklärungsversuch: Der Einfluss des Buddhismus gegenüber dem geschäftig-schwäbischen Konfuzianismus in Vietnam? Insgesamt macht Kambodscha einen sehr viel entspannteren Eindruck, mit allen Vor- und Nachteilen. Einheimische Westler zum Beispiel klagen über die Arbeits- und Geschäftsmoral der Khmer und loben die zielstrebigen Vietnamesen in höchsten Tönen.
  • Das fällt auch bei einer Fahrt über Land auf: Überall liegen Menschen in Hängematten und dösen. Auffällig vor allem: Auch die Frauen. Kommt in Vietnam nicht vor. Wenn der Mann mit seinen Kumpels Karten spielt oder Reisschnaps trinkt, dann arbeitet die Frau eben für zwei. So funktioniert das jenseits des Mekongs. In Kambodscha dagegen offensichtlich nicht.
  • Weiße Kühe. Das ganze Land ist voller weißer Kühe. Beziehungsweise weißer Rinder. Ein weißes Rind, so sagt der Kambodschaner, symbolisiert mehr Wohlstand als ein grauer Wasserbüffel. Da man in Vietnam fast nirgendwo weiße Rinder sieht, müsste die Schlussfolgerung lauten, dass die Kambodschaner eindeutig wohlhabender sind, als die Vietnamesen. Stimmt allerdings nicht, ist genau anders herum. Könnte wiederum daran liegen, dass Wasserbüffel zwar hässlicher aussehen, aber eindeutig kräftiger sind und mehr arbeiten können. Siehe oben: Der Vietnamese, so lernen wir auf dieser Reise, ist eindeutig der Schwabe Südostasiens.
  • Die Motorradfahrer in Phnom Penh tragen alle moderne Voll-Helme. Ich korrigiere: Diejenigen, die Helme tragen, tragen fast alle moderne Voll-Helme oder Integralhelme. Die billigen Fahrrad- und Miniplastikhelmchen, die hier in Hanoi überall auf den Straßen zu sehen sind, tauchen in Kambodscha fast gar nicht auf. Auch da bin ich verwirrt. Integralhelme sind eindeutig teurer, und am laxen Umgang mit der (mittlerweile ebenfalls neu eingeführten) Helmpflicht in Kambodscha sieht man, dass es auch nicht an der Aufklärung über die Schutzfunktion liegen kann. Einziger Unterschied: In Kambodscha fährt die Hälfte ohne Helm, und in Vietnam fährt die Hälfte ohne geschlossenen Helm. Letzteres liegt einfach an der strengen Verfolgung durch die Polizisten. Trotzdem sind die behelmten Khmer einfach besser geschützt. Möglicherweise eine Mode-Frage? Die Vollhelme in Phnom Penh sahen alle modern aus und wurden vor allem von Jugendlichen als Zeichen der Coolness getragen. Die Frage bleibt, wo diese Helme herkommen, und warum sie ihren Weg nicht nach Hanoi gefunden haben. Möglicherweise aus Thailand?
  • Kambodschaner lieben es offenbar, ihre Haare zu färben. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen hatten Strähnen oder rote, braune oder blonde Haare.

Kaum wieder in Hanoi angekommen, versuchte uns der Flughafentaxifahrer zu erklären, dass unsere Wohnung mitnichten im Zentrum der Stadt liege und somit ein Aufschlag fällig sei. Den empörten Widerspruch und die Weigerung mehr zu zahlen, quittierte er fortan mit völliger Ignoranz der Gäste, unter anderem indem er die Fenster sperrangelweit offen ließ. Das sind Momente, in denen man sich noch einmal so richtig nach einem Bettler zurück sehnt, der sich, nachdem man ihm nichts in den Hut geworfen hat, höflich verabschiedet.

6 Responses to Überlegungen über Unterschiede

  1. GF says:

    Schön, wieder von dir zu lesen!! Ich habe deine Berichte vermisst! :-)

  2. Martin L says:

    Ja schön , dass du wieder da bist :-)
    Interessante Einsichten und Erklärungsversuche…
    m

  3. benem says:

    „versuchte uns der Flughafentaxifahrer zu erklären, dass unsere Wohnung mitnichten im Zentrum der Stadt liege und somit ein Aufschlag fällig sei.“

    Harhar! Ich lach mich tot! Mir ist auch aufgefallen, das in Thailand ebenfalls die Preise ein paar Baht hoeher angesetzt werden, wo in Vietnam mal eben mit dem 5 fachen angefangen wird (100.000 Dong fuers Schuheputzen!? Ich muss wirklich SEHR naiv aussehen)

    BEN

  4. Martin says:

    Schliesse mich den Vorschreibern an – schön, dass Du wieder schreibst.

    Aber warum machst Du die Preussen Asiens jetzt zu Schwaben? Ich dachte, diese Katalogisierung hinsichtlich Preussen sei schon salonfähig?

  5. ngungon says:

    Mit den „Preußen Asiens“ hatte ich schon so immer meine Schwierigkeiten. Zum einen deswegen, weil ich irgendwo ein Buch über Japan aus den 70ern habe, in dem die Japaner als „Preußen Asiens“ beschrieben werden. Google fördert mir auf das Stichwort „Preußen + Asiens“ an Platz 2 einen Artikel über „Das Preußen Asiens: Korea“ zutage.

    Also jeder, der irgendwie grad einen Wirtschaftsaufschwung hat, ist automatisch ein Preuße.

    Kann auch damit zusammenhängen, dass mir als Süddeutscher die Preußen ohnehin sehr weit weg erscheinen. Die Schwaben liegen mir da deutlich näher.

  6. Schön, wieder von Dir zu lesen.
    Und wohl wahr: Kurze Auslandsaufenthalte verdeutlichen doch stets die vielen vielen Unannehmlichkeiten, die unnötigen Probleme, die unangenehmen Alltäglichkeiten, die dann nach drei Wochen dann wieder als alltäglich und nicht weiter schlimm betrachtet werden. Da man sonst verrückt werden würde, wird dann wieder viel idealisiert und die schönen Dinge übermäßig in den Fokus gestellt.

    Beste Grüße

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