Wasserschaden

Vietnam zieht den Großteil seiner Energie aus Wasserkraft. Da das Land (noch) keine Atomkraftwerke besitzt, bleibt gar nichts anderes übrig, als auf Wasser und Kohle zu setzen. Die stellenweise sehr bergige Landschaft und die vielen Flüsse machen das mit den Wasserkraftwerken relativ einfach. Besucher sind oft überrascht, wie umweltfreundlich so ein Entwicklungsland ist, weil es 60-70 Prozent seiner Energie aus Wasser gewinnt.

Das ist allerdings nur eine Seite der Medaille. Die regelmäßigen Stromausfälle bei Niedrigwasser, sind eine andere, und die sozialen Folgekosten von Wasserkraftwerken, sind das eigentliche Problem. Wasserkraftwerke und Stauseen brauchen Platz. Viel Platz. Dem müssen die Anwohner meistens weichen.

Die Tageszeitung Thanh Nien hat Anfang Dezember einen sehr schönen und hintergründigen Bericht aus der Provinz Quang Nam gebracht. Quang Nam liegt in Südzentralvietnam, dort, wo das Land noch immer wie ein dünner Flaschenhals geformt ist, und die Provinzen auf der einen Seite ans Meer, und im Westen an Laos angrenzen. Touristen kennen Quang Nam (meist ohne es zu wissen), weil dort die berühmte alte Küstenstadt Hoi An liegt. Das Hinterland allerdings ist (wie viele Provinzen in Zentralvietnam) eher arm.

In Quang Nam stehen fast 60 Wasserkraftwerke. Nur mal zum Vergleich: Die Provinz ist halb so groß wie Hessen.

Die Zeitung berichtet über mehrere Dörfer, die vor kurzem umgesiedelt wurden. In einem Distrikt mussten für ein neues Kraftwerk rund 1300 Hektar Wald gerodet werden, in einem anderen gingen für ein weiteres Kraftwerk 1000 Hektar Ackerland verloren. Die Bewohner bekamen an anderer Stelle dafür pro Person anderthalb Hektar. Allerdings, wie sie jetzt klagen, auf deutlich unfruchtbareren Boden. Mehrere erzählen, sie würden derzeit noch immer täglich zu ihrem alten Boden zurückkehren, und dort (illegal) Nahrung anbauen. So lange, bis Baustelle oder Stausee das Land komplett zerstören. Eine andere Chance gebe es nicht, schließlich müssten sie ja von irgend etwas leben.

Als Entschädigung gab es vom Staat 10 Millionen pro Person. Dong, wohlgemerkt. Umgerechnet etwa 300 Euro. Das Geld reichte nach Aussage der Betroffenen für etwa ein Jahr und ist mittlerweile aufgebraucht. Für ein neues Haus am neuen Platz reichte es allerdings nicht.

Viele Lokalpolitiker sind ebenfalls sehr unzufrieden mit der Situation. Anstelle von ertragstätigen Bauern haben sie nämlich jetzt Sozialfälle am Hals. Ein Offizieller, der anonym bleiben wollte, beschwerte sich gegenüber Thanh Nien, dass die Umgesiedelten nichts zu tun hätten, und deswegen nun die Geburtenraten steil in die Höhe schössen. Desgleichen seien die Elektrizitätsrechnungen nach oben geklettert, wovon freilich nur die Elektro-Unternehmen und ihre Investoren profitierten: „Die Lokalbehörden haben stattdessen mit den Problem der Einwohner und mit allgemeinen sozialen Problemen zu kämpfen“, klagt der Mann.

4 Responses to Wasserschaden

  1. RC says:

    Das ist der längste Wasserschaden, von dem ich je gehört habe…

  2. RC says:

    ;=) ;=)) :=)))

  3. RC says:

    ;=) ;=)) :=)))

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