Zu warm für Winteressen

Am Sonntag beginnt das vietnamesische Neujahr. Es gehört zur Tradition, dass man sich vorher nochmal mit diversen Freunden und Familienmitgliedern trifft. So eine Art Jahresabschlusstreffen. Oft feiern auch Firmen gemeinsam den Jahresabschluss. So wie andernorts an Weihnachten eben. Dabei wird, ganz klar, viel gegessen. Es gibt einige Gerichte, die ausschließlich oder fast ausschließlich zu Tet auf den Tisch kommen.

Dazu gehört der banh chung, ein Klebreiskuchen mit saftig-fettem Inhalt: Schweinefleisch, Schweinefett, zermahlenen Bohnen, alles schön lange gekocht. Auf ähnliche Weise kann man das auch mit einer Ente machen, die erst ausgenommen und dann mit Klebreis gefüllt wird, so dass Reis und Entenfleisch eine wunderbare Kombination eingehen. Dazu werden in Fett gewendete Frühlingsrollen aufgetischt, und haufenweise anderer Leckereien.

Man hört es schon: Es handelt sich hier um Winteressen. Das vietnamesische Pendant zur Bratensoße und der Martinsgans. Vergangenes Jahr hatte ich mich unheimlich auf die Tet-Spezialitäten gefreut. Dieses Jahr stelle ich nun fest: Ich bekomme, obgleich sehr lecker, kaum einen Bissen runter.

Der Grund: Es ist zu warm. Seit mehr als einer Woche zeigt das Thermometer fast 30 Grad im Schatten an, dazu überwiegend blauer Himmel, was recht ungewöhnlich ist. Es ist Sommer in Hanoi. Eigentlich ist das nicht so geplant: Tet sollte die kühlste und feuchteste Zeit des Jahres sein, eine Zeit in der man gerne im Haus sitzt, Verwandte trifft, und nichts anderes tut als essen und trinken.

Dass das dieses Jahr nicht so ist, hat nicht unbedingt mit „Klimawandel“ zu tun, sondern auch mit dem Kalender. Die Vietnamesen folgen nämlich nicht dem Mondkalender, sondern sie benutzen einen lunisolaren Kalender, also ein Sonne-Mond-Gemisch. Alle vier Jahre sorgt ein Schalt-Monat dafür, dass Tet nicht irgendwann plötzlich im Dezember, November oder gar im Juli anfängt. Dieses Jahr war Schaltmonat. Der Neujahrstag ist um einen ganzen Monat nach vorne gesprungen, von Anfang Januar auf Mitte Februar. Mitte Februar ist natürlich die Chance größer, dass langsam das warme Wetter einsetzt.

Für meinen Begriff ist es ein klein wenig zu warm, auch wenn der blaue Himmel angenehm ist. Aber gerade wenn man noch vor 4 Wochen im tiefsten deutschen Winterschnee feststeckte, ist „einmal die kompletten Jahreszeiten in einem Monat erleben“ doch ein klein wenig viel.

2 Responses to Zu warm für Winteressen

  1. Benem says:

    Da hattest Du ja bestimmt schon mal drueber geschrieben, bin mir jetzt aber nicht ganz sicher: Das Tet ist das chinesische Neujahr, oder? Tet muss irgendwie auch ein chinesisches Wort sein, jedenfalls gibt es das hier auch (Thailand), nur laenger: Thetsakaan.
    Der Bohnenkuchen ist Mondkuchen, oder? Schmeckt der gut? Ich habe da gehoert er soll ein wenig fade sein…

    Gruss:
    Ben

  2. m says:

    Schicke doch mal bitte ein paar Sonnenstrahlen rüber nach Deutschland! Hier mangelt es daran. So eine lange Kälteperiode mit Eis und Schnee wie in diesem Jahr erlebe ich erst das zweite Mal in meinem Leben. Und es nervt schon.
    Ich würde ja im Gegenzug ein wenig Schnee schicken. Aber der würde sich in Hanoi sicher schwarz färben, oder?

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