Überall Geld

Wenn man von einer deutschen Bank eine größere Summe Geld abheben möchte, dann schließt der Bankmitarbeiter den Tresor auf, holt da eine Schublade heraus, in der fein säuberlich geordnete Bündel liegen, und händigt sie aus. Sagen wir mal, es geht um 1680 Euro. Das sind vermutlich drei große Scheine, und paar kleinere. Und eine Quittung. Fertig.

In Vietnam funktionieren Banken, wie an dieser Stelle schon mal erwähnt, gerne etwas anders. Das fängt schon mit einem Problem an, für das die Banken erstmal nichts können: Den Geldscheinen. Der größte Geldschein in Vietnam sind 500.000 Dong, das entspricht nach heutigem Wechselkurs etwa 20 Euro. Dummerweise ist er nicht sonderlich weit verbreitet. Deutlich häufiger sind 100.000 Dong, umgerechnet 4 Euro.

Wer also von seinem vietnamesischen Konto 1680 Euro abheben will, um damit zum Beispiel eine Flugreise zu bezahlen, der wird vom Bankmitarbeiter lächelnd begrüßt, dann geht der Mitarbeiter weg, und kommt kurze Zeit später mit drei Bündeln wieder, von denen jedes die Größe einer Frühstücks-Box hat. Alles in Hunderttausend-Dong-Scheinen. Dann runzelt er die Stirn, und sucht nach Kleingeld, weil der Betrag 39.375.000 VND lautet. Er zieht mehrere Schubladen an seinem Schreibtisch auf, um vereinzelte Bündel Scheine hervorzuziehen, die offenbar lose herumliegen. Dann fragt er seine Nachbarin, die aus einer Ecke ihres Tisches ein Bündel mit abgefledderten 5000-Dong-Scheinen hinüberreicht. Zum Schluss greift er noch für das letzte, fehlende Kleingeld in seine Gesäßtasche, holt sein Portemonnaie hervor, und legt ein paar Scheine obendrauf.

Sieht alles sehr vertrauenserweckend aus. Ungefähr so wie beim Taxifahrer. Der hat auf die erste Nachfrage hin oft auch kein Kleingeld, und erst auf die zweite oder dritte Nachfrage hin erinnert er sich an das Bündel im Handschuhfach, dann an das Bündel neben dem Kassettendeck, und zum Schluss an das Bündel, das hinter die Sonnenblende geklemmt ist.

Dann schiebt der Bankmitarbeiter die drei Frühstücks-Boxen-Bündel über den Tresen, legt ein weiteres Bündel obendrauf, lässt hier und dort einmal unterschreiben, und lächelt dann.

Auf zweimalige Nachfrage hin bekommt man auch eine Quittung.

3 Responses to Überall Geld

  1. ThomasCrown says:

    Das „Preußen Südostasiens“-Label muß man wohl nochmal überdenken. (Oder waren es die Schwaben S-O-Asiens?)

  2. Chris says:

    Hehe koestlich geschrieben!

  3. Jowi says:

    Ein Detail hast Du aber vergessen: Die tollen Maschinen, die automatisiert die Geldscheine zählen. Sowas praktisches haben sie in den deutschen Banken nicht, und hier hat jeder bessere Kassenführer einen dieser netten kleinen Kästen, wo man oben einen Stapel Scheine reintut – und rrrrrrrrut, schon sind sie alle durchgerattert, und eine Digitalanzeige teilt mit, wieviele es waren.
    Das Ganze noch ein zweites Mal: rrrrrrrut! Wenn nun die gleiche Anzahl in der Anzeige erscheint, dann verlassen sich beide, Bank und Kunde, darauf, dass diese Ansage schon stimmen wird, es also tatsächlich 35 (oder 53) 100.000er Scheine sind, die ausgehändigt werden.
    Wenn ich meine Stromrechnung bezahle, geht das ganze anders herum: 26 mal 100.000? OK, rrrrrut! Alles klar. Mit Hilfe eines Taschenrechners wird dann auch noch ausgerechnet, dass ich 27.357 zurück bekommen soll. Was dann aber großzügig auf 27.000 gerundet wird, weil die kleinen Münzen halt fehlen.
    (Falls jemand nachrechnet: Die Stromrechnung kann tatsächlich so hoch sein. Klimaanlagen haben eben ihren Preis!)

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