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Tödlicher Lärm

Was das Hupen angeht, entwickelt man ja als in Vietnam Lebender irgendwann einen Galgenhumor. Hupen gehören zum Stadtbild dazu, mindestens genaus wie vietnamesische Strohhüte und Suppenküchen. Vielleicht sogar noch mehr. Hupen, scherzt man dann als ausländischer Einwohner, ersetzen in Vietnam alle Verkehrsregeln. Wer hupt, hat Vorfahrt. Oder Langeweile. Oder beides.

Die Wahrheit ist natürlich eigentlich: Die Hupen sind eine unglaubliche Lärmbelästigung, und noch ärgerlicher an der Sache ist, dass mindestens 90 Prozent aller Hupgeräusche komplett unnötig sind, und auf die restlichen zehn Prozent eigentlich auch niemand hört. Weil jeder immer und überall hupt, die einen, weil sie angeblich etwas mitzuteilen haben, die anderen aus Gewohnheit, ignoriert eigentlich jeder die Hupe. Ich habe es mal geschafft, mit dem Auto von der Innenstadt bis zum Flughafen zu fahren, ohne ein einziges Mal zu hupen. Ich war nicht langsamer als ich es mit Hupe gewesen wäre. Entweder nehmen einen die Motorräder wahr, oder eben nicht. Daran ändert auch die Hupe nichts.

Jetzt hat Vietnam endlich seine Hup-Diskussion. Eine ziemlich vehemente sogar. Allerdings aus dem falschen Anlass. Ein junges Kind ist nämlich gestorben. Die Mutter wurde von einem vorbeifahrenden, hupenden LKW so erschreckt, dass sie die Kontrolle über ihr Moped verlor, und auch über das Kind, das sie im Arm hielt. Das starb noch an der Unfallstelle.

Nun diskutieren alle über die Hupen, allerdings vor allem über die besonders lauten. Lastwagenfahrer bauen sich besonders gerne solche Hupen ein, die bis zu 300 Dezibel erreichen. Nur mal so zum Vergleich: Presslufthammer erreichen 120 Dezibel, und Vuvuzelas angeblich bis zu 160. In der Tat sind gerade große Fahrzeuge mit Monsterhupen vor allem nachts ein zusätzliches Ärgernis (und ein Grund mehr, warum ich so froh über meinen Helm bin, der nicht nur den Kopf schützt, sondern auch den Lärm dämpft). Manchmal lassen sich sogar verrückte Moped-Fahrer solche Hupen einbauen, und freuen sich diebisch, wenn sie damit andere Fahrer erschrecken können.

Diese illegalen Presslufthupen sollen nun verboten werden, sind eigentlich schon längst verboten, sollen nun also nur strenger überwacht werden, aber schon daran scheitert die Polizei. Kritiker wenden ein, dass Lastwagen bei angekündigten Inspektionen oft die Hupen austauschen, oder gleich zwei montiert haben, eine illegale und eine legale, und dass die Überführung an Ort und Stelle im fließenden Verkehr ohnehin unmöglich ist, weil die Polizisten gar nicht dafür ausgerüstet sind. Jede Verkehrsstreife bräuchte künftig Schall-Messer.

Wo die Diskussion schon daran scheitert, geht sie auf das viel grundlegendere Problem fast gar nicht ein: Im Gründe müssten 95 Prozent aller Verkehrsteilnehmer mehrmals täglich für unnötiges Hupen bestraft werden. Vielleicht würde wenigstens dann etwas Vernunft in den Straßenverkehr einziehen, und damit auch die Monsterhupen kein Thema mehr sein. Aber das ist Illusion, weil unmöglich. Zwar mahnt der Verkehrsminister, Vietnam sei in dieser Hinsicht ein traurigerweise einzigartiges Land, und in den Zeitungen häufen sich die Leserbriefe, aber das allein bringt die Lösung keinen Schritt näher. Und wo anfangen mit der Verkehrserziehung, wenn die Realität Tag für Tag ein anderes Bild, oder in diesem Fall: Geräuschbild bietet? Würden deutsche Kinder an roten Ampeln warten, wenn alle anderen Passanten täglich drüberlaufen? Sicherlich nicht.

Zu guter Letzt stellt sich natürlich noch die Frage, was sich Mütter eigentlich dabei denken, ihre Kinder völlig ohne Schutz im Arm auf dem Moped durch die Stadt zu fahren. Alles in allem bleibt wohl nur die traurige Bilanz: Der Verkehr in Vietnam ist trotz aller Diskussionen derzeit hoffnungslos. Hoffnungslos tödlich.

One Response to Tödlicher Lärm

  1. Ich bin vollkommen der gleichen Meinung. Ich bin selbst auch Vietnamese und kann nicht nachvollziehen, warum man Helmpflicht für Mopeds einführt. Diese Helmpflicht gilt jedoch nur für Erwachsenen. Kinder fahren einfach so ohne Helme mit. Es ist sowas von gefährlich, vor allem auf den Straßen von Vietnam. Bei den vietnamesischen Eltern kommt es aber irgendwie noch nicht an, wie gefährlich und verantwortungslos Sie da mit ihren Kindern umgehen.

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