Warning: count(): Parameter must be an array or an object that implements Countable in /homepages/3/d22132538/htdocs/ngungon/wp-includes/post-template.php on line 284

Warning: count(): Parameter must be an array or an object that implements Countable in /homepages/3/d22132538/htdocs/ngungon/wp-includes/post-template.php on line 284

Warning: count(): Parameter must be an array or an object that implements Countable in /homepages/3/d22132538/htdocs/ngungon/wp-includes/post-template.php on line 284

Warning: count(): Parameter must be an array or an object that implements Countable in /homepages/3/d22132538/htdocs/ngungon/wp-includes/post-template.php on line 284

Nationalitätenrätsel

Ich gebe zu, ich hatte bis vor vergangener Woche noch nie etwas über die Fields-Medaille gehört. Deswegen sei für alle Nicht-Mathematiker an dieser Stelle kurz erklärt: Die Fields-Medaille ist eine der höchsten Auszeichnungen in der Mathematik. Sie wird einmal alle vier Jahre an bis zu vier Menschen vergeben, die nicht älter als 40 sein dürfen (ob da jetzt irgendwelche Zahlenmystik betreffend der Zahl „4“ dahintersteckt, entzieht sich meiner Kenntnis).

Fachfremde behelfen sich gerne, um die Bedeutung zu unterstreichen, mit dem Satz: „Die Medaille ist der Nobelpreis der Mathematik.“ Der Vergleich hinkt natürlich, aber wahr ist, dass der Nobelpreis keine eigene Kategorie für Mathe hat.

Was das alles hier in einem Blog über Vietnam zu suchen hat? Vergangene Woche hat Ngo Bao Chau die Fields-Medaille gewonnen. Der 38-Jährige ist in Vietnam geboren und arbeitet zur Zeit an einer Universität in Paris.

Und hier fing dann plötzlich das große Mysterium an. Die vietnamesischen Medien überschlugen sich und titelten alle „Vietnamese gewinnt Fieldspreis!“. So wie hier in Vietnamnet oder hier bei VOV. Vergessen wurde auch nicht zu erwähnen, dass Chau der „vierte Asiate“ (Vietnamnet), der die Medaille erhält, beziehungsweise Vietnam das „zweite asiatische Land“ ist, das die Medaille erhält (die drei Preisträger zuvor waren alles Japaner). Das ist natürlich schön fürs Ego, wenn Vietnam damit Brief und Siegel darauf hat, das zweitintelligenteste Land hinter Japan zu sein.

Kurioserweise schrieben die internationalen Zeitschriften nichts von Vietnam. Hier heißt es, beispielsweise beim Figaro: „Zwei Franzosen unter den Fields-Medaillen-Gewinnern„. Einer der beiden ist Ngo Bao Chau. Auch der deutsche IDW (Informationsdienst Wissenschaft) titelt etwas über „Zwei Franzosen„. In den Artikeln steht dann auch ganz deutlich: Der in Vietnam geborene Chau hat seit 2009 die französische Staatsbürgerschaft.

Was nun? Lügt Vietnam sich mal wieder in die eigene Tasche, so wie damals, als Philipp Rösler von einigen Zeitungen zum Vietnamesen umgedichtet wurde? Das wäre aber, angesichts der Tatsache, dass diesmal auch die versammelte vietnamesische Staats- und Regierungsspitze prompt von einem „Sieg für Vietnam“ spricht, ziemlich dreist. (Einer erklärte sogar, der Preis komme gerade zur rechten Zeit, schließlich sei ja gerade die Zeit des Nationalfeiertags. Dass der Nationalfeiertag jedes Jahr gefeiert wird, die Medaille aber nur alle vier Jahre vergeben wird, machte die Äußerung etwas seltsam.)

Des Rätsels Lösung lautet: Ngo Bao Chau hat die doppelte Staatsbürgerschaft. Er hat zwar 2009 die französische Staatsbürgerschaft angenommen, die Vietnamesische aber nie abgegeben. In Vietnam ist das seit zwei Jahren offiziell erlaubt, in Frankreich ist es schon etwas länger möglich (im Gegensatz zu Deutschland, das Doppelpässe nur in Ausnahmefällen gestattet).

Es haben also beide Länder Recht, wenn sie auf die jeweils „eigene“ Nationalität verweisen. Eine doppelte Staatsangehörigkeit ist nämlich rechtlich etwas, das ein Land zwar „erlauben“ kann, den betroffenen Menschen aber weiterhin voll und ganz als Bürger des eigenen Staates behandeln muss. (Was er darüber hinaus noch für Rechte und Pflichten hat, geht den einzelnen Staat nichts an.)

Befremdlich an der Sache ist, dass keine einzige Zeitung, kein einziges Medium sich bemühte zu erwähnen, dass dem so ist. Hätte ja nichts geschadet. Muss ja auch nicht gleich im ersten Absatz sein. Aber in allen Berichten: Fehlanzeige. Bei den Vietnamesen war es wohl der nationale Stolz (ungeachtet der Tatsache, dass man sich in einen etwas zwiespältigen Widerspruch zur internationalen Medienwelt begab), und bei den Franzosen war es vermutlich schlichte Ignoranz. Auch Nachschlagewerke wie Wikipedia, die sonst in überbordender Akribie jedes unnötige Detail auflisten, waren ratlos. Einzige Ausnahme: Die englischsprachige Wikipedia-Seite. Ausgerechnet.

Wer übrigens wissen will, für das Chau den Preis erhielt, der sei auf eine sehr schön gemachte Seite von ZEIT Online verwiesen. Da wird für Fachfremde zumindest ansatzweise anschaulich erklärt, worum es sich überhaupt dreht. Kurz gesagt: Um ein mathematisches Problem, an dem sich internationale Mathematiker seit 40 Jahren die Zähne ausbeißen.

Der Vollständigkeit halbe sei noch erwähnt, dass die anderen beiden Preisträger ein Israeli und ein Schweizer sind.

Über doppelte Nationalitäten ist nichts bekannt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.