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Fest-Kater

Die große Feier ist um. Gestern endete die Tausend-Jahr-Feier mit einem riesigen Spektakel im Hanoier Sportstadion. Es hatte etwas von Eröffnungsfeier für Olympische Spiele oder ähnlichem: Teilweise riesige Choreographien mit Tänzern, Kostümen und Lichtern.

Etwas seltsam anmutend fand ich den kurzen, düsteren Teil, der offenkundig auf die Kolonialzeit anspielte, bevor dann Ho Chi Minh das Volk befreit hat (der in Originalaufnahme eingespielt wurde). Natürlich gehört dieser Teil auch zur Geschichte Hanois, und war ja sogar architektonisch für das Stadtbild prägend, aber ich gehe mal davon aus, dass eine entsprechende historische Spektakelaufführung in Deutschland über eher düstere Episoden hinweggehen würde. Kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass der Dreißigjährige Krieg oder die beiden Weltkriege als Massentheater inszeniert werden. Vielleicht täusche ich mich aber auch.

Das anschließende Feuerwerk war stark reduziert, unter anderem weil einige Tage zuvor ein Feuerwerklager in Hanoi in die Luft geflogen ist. Dabei waren zwei deutsche Pyrotechniker aus dem Sauerland gestorben. Eine ziemlich mysteriöse Sache, es wollen auch Gerüchte nicht verstummen, das in Wahrheit viel mehr Vietnamesen gestorben seien, man aber die Feier nicht verderben wollte. Das reduzierte Feuerwerk allerdings fand ich eine begrüßenswerte Sache (ich mache mir aber eh nichts aus Feuerwerken). Das eingesparte Geld soll außerdem für die jüngsten Opfer der Flutkatastrophe in Mittelvietnam gespendet werden. Dabei sind vor einigen Tagen ebenfalls mindestens 70 Personen ums Leben gekommen.

Anschließend gab es auf dem Rückweg vom Stadion offenbar unglaubliche, nächtliche Verkehrsstaus, und einige, die um 22 Uhr aufgebrochen waren, kamen erst um 3 Uhr morgens zu Hause an. Berichten sie jedenfalls heute in den einschlägigen Foren und Nachrichtenseiten.

Alles in allem herrscht also ein wenig Katerstimmung. Seit 1000 Tagen zählte ein riesiger Countdown am Hoan-Kiem-See herunter, und jede Woche, jeden Monat schienen die Zeitungen voller und voller mit dem Thema Tausend-Jahr-Feier zu sein – und nun ist alles vorbei. Man mag es kaum glauben. Ich persönlich fand die zurückliegenden Tage eigentlich sogar schöner, als ich es erwartet hatte (ich war zugegebenermaßen aber auch auf das Schlimmste gefasst, nämlich Chaos und Staus).

Ein wenig Wasser in den Wein gießt auch der Diplomat, eine in Japan erscheinende Zeitschrift über die Region Asien-Pazifik. Dort ist am Samstag in der Online-Ausgabe ein eher kritischer Artikel erschienen, der sich die Frage stellt: Was hat’s gebracht? Ursprünglich wollte Hanoi seine Tausend-Jahr-Feier ja nutzen, um das ein wenig zerbeulte Reise-Image von Vietnam aufzupäppeln. Das meiste, was im Artikel erwähnt wird, ist nicht neu (beispielsweise die erschreckend geringe Rückkehrer-Quote von ausländischen Touristen, und das leidige Problem mit der Taxi-Abzocke), aber ein möglicherweise interessantes Detail ist die Tatsache, dass bis kurz vor Feierstart eigentlich niemand wusste, was wann wo als Festprogramm stattfinden wird. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, ich bin selbst eine Woche vor dem 1. Oktober noch gefragt worden, ob ich „als Medienmensch“ denn wüsste, wie im Oktober das Festprogramm abläuft. Die Fragesteller waren Leute von Kultur- oder Botschaftsorganisationen, also gerade jene, die es eigentlich wissen müssten.

Das ist natürlich als PR verheerend, wenn niemand den Touristen sagen kann, wann sie was wo sehen können. Am Ende gab es dann zwar ein sehr ausführliches und umfangreiches Programm, aber zu einem Zeitpunkt, der sicherlich niemanden dazu überredet hat, in den Flieger nach Vietnam zu steigen.

In den vergangenen Tagen war auch mein Eindruck, dass die Gäste und Interessierten und Begeisterten hauptsächlich Vietnamesen waren, und zwar aus Hanoi und Umgebung. Nichts dagegen einzuwenden, schließlich war es ja eine Hanoi-Feier, aber vor einigen Monaten klang das eigentlich noch ein wenig anders, und man wollte angeblich gezielt auch die Ausländer ins Land locken. In dieser Hinsicht wird Hanoi leider noch einiges tun müssen. Und das wird eher mühsame, unsichtbare und unbeliebte Frickelarbeit bedeuten: Bessere Infrastruktur, bessere Dienstleistungen.

Mit Spektakel allein kann man zwar ein Feuerwerk entzünden, aber vermutlich wird es sich in den Reisezahlen eher als Strohfeuer entpuppen.

4 Responses to Fest-Kater

  1. Patrick says:

    Hallo David,

    nur so ein Gedanke: Ich habe neulich schon festgestellt, dass du die 1000-Jahr-Feier mehr als Touristenspektakel als „Feier der nationalen Identitaet Blablabla und so weiter“ verstehst. Ich denke, eventuell wollen die Vietnamesen die eigentliche Feier mehr fuer sich haben und „fuer die Touristen“ mehr so ein rundherum-Programm veranstalten, das ueber das ganze Jahr wirkt (oder auch nicht)?

  2. ngungon says:

    Das sollen und dürfen sie gerne haben, aber die öffentlichen Verlautbarungen sprechen teilweise eine andere Sprache. Es wurden und werden gerade rund um das Fest wenig Möglichkeiten ausgelassen, um zu betonen, was für eine spannende, touristenfreundliche Stadt Hanoi ist, und wie wohl sich die Ausländer hier fühlen.

    Da mag es aber auch eine Diskrepanz geben zwischen den Organisatoren und den Feiernden. Nur sind es ja gerade die Organisatoren, die für solche Dinge wie „Programmkommunikation“ verantwortlich gewesen wären.

    Ich würde aber mal sagen, am Ende ist beides richtig: Möglicherweise wollten einige Organisatoren und Politiker gezielt (auch) um Touristen und Ausländer werben, herausgekommen ist aber ein Fest, das primär eine große Freude für die Einheimischen war.

    Vielleicht sagt das ja auch etwas über die Weltgewandtheit der Organisatoren aus.

  3. Patrick says:

    Das ist hier leider nicht viel anders. Es gibt jede Menge „Festivals“ bei denen man internationales Ambiente erreichen will. Dummerweise spricht dann keiner der Leute auf den Buehnen und hinter den Kameras eine andere Sprache als Thai. Marketing +1, Ausfuehrung -1 ;)

  4. Ja, stimme dem zu. Das Ganze war wohl z.T. nicht ganz klar kommuniziert. Am Sonntagabend am Ba Dinh Square zu stehen und sich mit anderen Besuchern zu fragen, wo denn die Veranstaltung stattdessen stattfindet, während im Hotel auch niemand Bescheid weiss, war wohl nicht ganz ideal. Vielleicht ja im nächsten Anlauf, 3010. ;-)

    Habe dazu hier kurz was geschrieben: http://www.kahunablog.de/asien/vietnam/hanoi/unterwegs-in-hanoi-zum-1000-jaehrigen-geburtstag-von-vietnams-hauptstadt.html

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