Verzählen mit System

Der Jadebergtempel ist eine der touristischen Sehenswürdigkeiten, an denen kaum ein Besucher von Hanoi vorbei geht. Es ist auch fast gar nicht möglich, ihn zu übersehen, schließlich liegt er direkt im Hoan-Kiem-See, und damit so zentral, wie es nur irgendwie geht. Gestern war ich mal wieder da. Mit zwei Besuchern. Macht, neuerdings, 30.000 Dong Eintritt. Früher waren es mal 3000 Dong, mittlerweile haben sie kräftig aufgeschlagen auf 10.000 Dong pro Person.

Ich hatte allerdings kein passendes Geld dabei, nur einen richtig großen 500.000-Dong-Schein. Als ich mit schiefem Lächeln entschuldigend andeute, dass es kleiner leider nicht geht, nickt die Frau im Kassenhäuschen lächelnd. Das war verwunderlich. Normalerweise hassen die meisten Verkäufer, Ticket-Hüter und Eintrittsverwalter große Scheine wie die Pest. Passendes Wechselgeld scheint nämlich immer Mangelware.

Noch verwunderlicher: Ich bekomme einen dicken Stapel 50.000-Dong-Scheine zurück. So dick, dass man gar nicht richtig nachzählen kann, erst recht nicht, wenn hinter einem Leute drängeln. Allerdings merke ich beim hektischen Durchblättern… komisch, neun Fünfziger sollten es sein – scheinen aber irgendwie weniger. Also doch Nachzählen. Nur sechs? Kann doch nicht sein. Noch einmal nachgezählt. Tatsächlich. Sechs. Ich halte der Kassenhäuschenfrau die Scheine hin. „Da fehlt was.“ Sie greift in die Schublade, nimmt mir die Fünfziger alle komplett wieder ab, und zieht vier Hundertausender hervor. Jetzt stimmt es.
Äh… was ist da gerade passiert?

Jemand gibt mir freiwillig Fünziger (man erinnere sich, Kleingeld ist Mangelware), wenn sie doch stattdessen offenbar Hunderttausender hat? Und dann sind es auch noch „zufällig“ zu wenige? In diesem Moment fällt mir ein, dass ich vor ein paar Wochen an genau dieser Stelle schon mal zu wenig Wechselgeld bekommen hatte. Damals hatte ich es erst zu spät gemerkt, und mir auch nichts weiter gedacht. Aber zwei Mal in Folge? Und dann noch mit dieser seltsamen Fünfziger-Volte?

Als ich am Abend einem Bekannten davon erzähle, der ebenfalls oft mit Touristen im Jadebergtempel ist, antwortet der prompt: Ist mir auch schon oft passiert. Seitdem zähle ich immer genau nach.

Dieser Blog ist hier ja eigentlich kein Ratgeber, schon allein weil ich bei den meisten Lesern davon ausgehe, dass sie in nächster Zeit gar nicht nach Hanoi kommen, aber sollte das bei dem einen oder anderen so sein, an dieser Stelle eine eindeutige Warnung: Am Jadebergtempel sollte man dringend sein Wechselgeld zählen. Oder gleich passend zahlen.

2 Responses to Verzählen mit System

  1. Tanja says:

    Na, zufaellig bin ich nun doch in Hanoi. Allerdings bin ich dann doch froh, dass ich nicht direkt hierhergekommen bin, sondern dank der kleinen „Visa on Arrival“ ist ueberall on arrival, nicht aber in Vietnam Geschichte mich erst noch in Bangkok quasi aufwaermen durfte. Grad geht mir die Stadt ziemlich an die Nerven, dazu hat sicherlich auch der Cyclofahrer beigetragen, der mit mir den alten Trick vonwegen der Ort, wo ich hinwolle sei gleich um die Ecke, gespielt hat. Hrmpf.

    Wenn es also noch Tips gibt, wo es hier in Vietnam netter ist: Her damit :)

  2. m says:

    Uch, ich war letzte Woche auch dort. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, ob ich passend gezahlt habe. Wechselgeld nachgezaehlt habe ich sicher nicht.

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