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Nachtrag zu Bob Dylan

Vietnam ist also mal wieder in den internationalen Schlagzeilen (wenn auch eher in Feuilletons und auf hinteren Seiten), und dabei geht es darum, dass angeblich Bob Dylan zensiert wurde. Es ist, wie immer in solchen Situationen, nicht so ganz einfach Wahrheit und Gerüchte zu trennen, weil die betroffenen Seiten nicht gerade, nunja, „transparent“ in ihrer Kommunikationsarbeit sind.

Fakt ist offenbar: Dylan hat seine Hits „Blowin in the Wind“ und „The Times they are a-changing“ in Ho-Chi-Minh-Stadt nicht gespielt. Fakt ist aber auch: Er hat sie, nach Aussage zahlreicher Fans, auch bei vergangenen Auftritten in den USA sehr häufig nicht gespielt. Daraus jetzt also sofort politische Schlussfolgerungen zu ziehen, ist wohl etwas verfrüht.

Fakt ist allerdings auch, und das bestätigt auch das Management von Dylan: Der Altstar musste seine Setlist mitsamt einer Übersetzung aller seiner geplanten Lieder dem Kulturministerium vorlegen. Das ist hier in Vietnam eine leider übliche, und sehr bürokratische Prozedur. Davon kann jeder ein Lied singen, der bereits einmal vor größerem Publikum in Hanoi aufgetreten ist. Zum Beispiel auch die Amateur-Theatergruppe, die Anfang April dreimal vor ausverkauftem Haus „My Fair Lady“ gespielt hat.

Es ist bei solchen Aufführungen üblich, dass zur Generalprobe ein „Mitglied des Kulturministeriums“ kommt, um das Stück abzunehmen und den Inhalt zu genehmigen. Das war auch bei vergangenen Aufführungen so, und ist, kurz gesagt, bei allen Stücken so, die eine gewisse Zahl an Zuschauern erreichen (bei kleineren, eher privatcharakterlichen Shows vor 30-40 Leuten, kümmert sich der Staat meist nicht darum).

Nun sind Generalproben oft ziemlich zähe Auftritte. Eigentlich ist eine Generalprobe dazu da, auf gar keinen Fall unterbrochen zu werden, und den Schauspielern sozusagen unter Ernstfallbedingungen die letzte Bühnentauglichkeit zu verleihen. In der Realität fangen Generalproben aber trotzdem gerne mal später an, oder werden eben doch wegen irgend eines unerwartet wichtig auftretenden Problems unterbrochen. Der Kulturministeriums-Besuch sorgt in so einem Fall für zusätzlichen Stress, weil es auch schon Ministeriumsmitarbeiter gab, die sich dann lauthals beschwerten, dass es nicht vorangeht. An solchen Situationen merkt man wohl vor allem, wie wichtig sich Bürokraten nehmen. Vor allem, wenn sie noch ein kleines bisschen Macht haben.

Genauso häufig kommt es allerdings vor, dass diese Mitarbeiter um pünktlich 21 Uhr nach Hause gehen. Wo kommen wir denn da hin, wenn wir hier Überstunden machen? Die „My-Fair-Lady“-Probe dauerte bis 23:30 Uhr (das Stück war ziemlich lang), und spätestens zur Halbzeit war der Platz des Kulturministeriumsmitarbeiters leer. Es hätte sich also jemand auf die Bühne stellen, und wildeste Schimpftiraden über das Ministerium loslassen können, ohne dass es irgend welche Konsequenzen gehabt hätte (was natürlich niemand getan hat).

Das also ist die Realität der Kultur-Überwachung in Vietnam: Ja, es gibt sie, theoretisch. Sie ist bürokratisch, sie ist ermüdend. Aber wenn man offenbar nicht unter besonderer Beobachtung der Verantwortlichen steht, dann gehen die Beamten auch gerne mal früher nach Hause.

So ähnlich könnte man sich auch die Situation mit Bob Dylan vorstellen: Ja, der Musiker musste alle seine Texte vorlegen lassen. Ob dann anschließend das Ministerium tatsächlich Lieder hat streichen lassen, ist nicht bekannt. Das Management bestreitet dies. (Aus dem Medien-Echo, das bereits jetzt erfolgt ist, kann man sich aber bereits ausmalen, dass es schlau war, diese Sache grundsätzlich zu bestreiten, ganz egal, ob sie nun stattfand, oder nicht.)

Andererseits: Wie viel vom Inhalt der Lieder bleibt überhaupt übrig, wenn man sie erst einmal in die Landessprache übersetzen muss? (Eine asiatische Zeitung erklärte, „Blowin in the Wind“ sei in China unter sehr vielen Übersetzungen bekannt, unter anderem als „Dem Abdrift folgen“.) Und Dylan-Fans wiederum verweisen darauf, Dylan sei immer politisch, egal was er spiele. (Auch wenn die meisten der verzwirbelten, verspielten Anspielungen sowieso nur Kenner in den Texten entdecken.)

Dylan jedenfalls soll, so sagen es Gäste des Konzerts, so gewesen sein wie immer: Er habe sich keinen Deut um seine Fans gekümmert, sich voll und ganz auf seine Musik konzentriert. Oder, in den Worten eines amerikanischen Fans: „A great show!“. Diverse Umfragen unter Vietnamesen hatten zuvor ergeben, dass nur ein sehr, sehr kleiner Teil überhaupt Bob Dylan kennt. Von den ca. 6000 verkauften Tickets ging der Großteil offenbar an Ausländer.

Ein vietnamesischer Besucher wird mit den Worten zitiert: „Keine Ahnung, warum der so berühmt ist. Gut ist er nicht. Da finde ich Eric Clapton ja deutlich besser.“

One Response to Nachtrag zu Bob Dylan

  1. Gaby says:

    Dylan war vor einigen Jahren auch in Worms und wir waren sehr enttäuscht, gerade, weil er sich nicht um das Publikum gekümmert hat und seine Songs „heruntergesungen“ hat. Dabei war der Wiedererkennungswert äußerst gering, sie waren total verfremdet. Die Leute gehen doch auf ein Konzert, um mitsingen zu können. Das war unmöglich. Nie wieder Dylan!!!

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