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Brillenlos

Asiaten sind häufiger kurzsichtig. Proportional gesehen. Hat irgendwas mit den Genen zu tun. Sagt mein Augenarzt. Streng genommen ist „kurzsichtig“ sogar zu einfach formuliert, und es hat irgend etwas mit einem veränderten Aufbau des Auges zu tun.

Vietnamesen sind bekanntlich Asiaten. Trotzdem mache ich im Alltag folgende Beobachtung: Wenn ich einen Menschen mit Brille im Aufzug treffe, dann ist es fast immer ein Japaner oder ein Koreaner. Brillentragende Vietnamesen sind (von gelegentlichen Lesebrillen abgesehen) sehr selten. Proportional gesehen, wenn ich es mit deutschen Brillenträgern vergleiche. Wenn man dann noch hinzurechnet, dass es eigentlich sogar augenmedizinsch gesehen mehr Brillenträger geben sollte, kommen wir in eine richtige Schieflage.

Wer sich mit Vietnamesen über das Thema unterhält, bekommt eine Ahnung davon, warum das so ist: Brille tragen gilt in Vietnam nicht als sonderlich „schick“. Unter vielen Frauen gilt es sogar als hässlich. Bei Männern ist das zwar ein klein wenig anders, was aber die Zahl der Brillen aus meiner (freilich rein subjektiven) Wahrnehmung trotzdem nicht sonderlich erhöht.

Ein weiterer Grund könnte sein, dass die Erkennungsmethoden in Vietnam einfach nicht so modern und weit verbreitet sind, wie in Deutschland. Beim Baby von deutschen Bekannten wurde kürzlich bereits mit fünf Monaten eine Sehschwäche festgestellt. Auf solche Ideen kämen die Kinderärzte in Hanoi überhaupt nicht. Und da reden wir von Hanoi, auf dem Land dürfte das alles noch ganz anders aussehen. Man darf auch annehmen, dass eine Generation, die in Kriegs- oder Hungerzeiten aufwuchs, andere Probleme hatte, als 1,0 Dioptrin Sehschwäche zu korrigieren. Bei den gegenwärtigen Jugendlichen mag das zwar anders sein, aber auch da vermute ich mal, dass sich niemand eine Brille aufsetzt, solange er die Schrift an der Schultafel noch halbwegs lesen kann.

Hinzu kommt: Gesetzlich vorgeschrieben ist meines Wissens auch in Deutschland die Brille nicht. Erst wenn es um den Führerschein geht, wird sie tatsächlich zur Pflicht. Da in Hanoi die Leute mit Autoführerschein deutlich geringer ist, dürfte auch das eine Rolle spielen.

Kurz gesagt: Die Brille ist, in gewisser Weise, tatsächlich ein gewisses „Wohlstandsobjekt“. Sie wird in Gesellschaften wichtig, bei denen es regelmäßig im Alltag auf exakte Sehschärfe ankommt. Sie wird in Gesellschaften modern und schick, die es sich (finanziell) leisten können, moderne und schicke Brillengestelle zu kaufen.

Vietnam ist da noch nicht. Japan schon eher. Deswegen wird der Mann mit im Aufzug mit Brille wohl auch bis auf weiteres ein Japaner oder Südkoreaner sein, und vermutlich kein Vietnamese.

2 Responses to Brillenlos

  1. heike says:

    Vielleicht wird Brille tragen in Vietnam ja auch mal so modern wie seit ca. zwei Jahren in Deutschland. Da gibt es diese sog. Nerdbrillen, riesige dunkle Gestelle, oft mit Fensterglas aufgrund fehlender Sehbehinderung, die bis zum Jochbein reichen und Trägern die Aura von Intelligenz und Introvertismus verleihen sollen. Gepaart mit dunkler klassischer Kleidung noch eine Prise Modeschöpfer dazu. Mich erinnern sie aber eher an Puck die Stubenfliege.

  2. Laura Mai says:

    Bei mir an der Blindenschule gibt es auch eine große Anzahl sehbehinderter Kinder. Ich habe zwei Schülerinnen in einem meiner Kurse, die stark kurzsichig sind, so kurzsichtig, dass sie in ihren Heimatdörfern nicht auf die normale Schule gehen konnten, sondern nach Hanoi auf die Blindenschule gekommen sind. Eine Brille tragen sie trotzdem nicht. Sie kleben dann beim Lesen mit der Nase am Buch. Das ist in diesem Fall wohl weniger Mode als vielmehr Armut.

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