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Unverändert

Fast fünf Monate nach meinem letzten Eintrag über die Schwierigkeiten der Vollstreckung der Todesstrafe gibt es noch immer keine Änderung: Vietnam kann weiterhin das benötigte Gift nicht importieren. Es melden sich bereits die ersten Stimmen, die fordern, doch einfach wieder zum Erschießungskommando zurückzukehren. Andere warnen, es könne sein, dass Vietnam niemals an das benötigte Gift kommt, weil die EU ihre Exportbeschränkungen auf keinen Fall aufheben wird.

In der Zeitung „Thanh Nien“ gab es vergangene Woche einen beeindruckend geschriebenen Artikel zu dem Thema. Leider habe ich den Artikel nirgendwo online gefunden. Gefallen hat mir an dem Text, dass er in überzeugender Weise einen Standpunkt vertritt, gleichzeitig aber sachlich bleibt, und trotzdem flüssig zu lesen ist. Eine Trias, die ich leider allzu häufig in vietnamesischen Zeitungsbeiträgen vermisse. Nicht selten schießen Journalisten in ihrem Eifer, eine bestimmte Sache zu vertreten, über das Ziel hinaus. Oder sie reihen endlos Fakten aneinander, ohne eine Struktur zu verfolgen.

Die Journalistin führt jedenfalls an, dass die Todesstrafe in den vergangenen Jahrzehnten mitnichten zu einer Verringerung der Straftaten geführt habe. Allein im Bereich Drogenkriminalität wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mehr als 10.000 Straftaten in Vietnam registriert, fast 15.000 Menschen wurden verhaftet. Das sind etwa 400 Fälle und knapp 1000 Verhaftungen mehr als im Vergleichszeitraum 2011. Drogenhandel ist eines der Delikte, das in Vietnam mit Todesstrafe bestraft werden kann. Ähnlich düster sieht die Bilanz bei anderen Straftaten wie Mord aus.

Der Artikel fragt weiter, ob die Art der Bestrafung überhaupt das Problem an der Wurzel packe. Stattdessen, so die Argumentation, sei möglicherweise die immer größer werdende Lücke zwischen Arm und Reich in Vietnam ein Grund dafür, warum immer mehr Raubüberfälle oder Morde begangen werden. Auch diese Einkommensschere lässt sich statistisch messen und durch vietnamesische Zahlen belegen. Mal abgesehen davon, dass sie sich auch sehr gut an Einzelbeobachtungen ableiten lässt: An den Louis-Vuitton-Boutiquen, vor deren Schaufenster alte Frauen auf Plastikstühlen hocken und Frühstück für umgerechnet weniger als einen Dollar schlürfen, zum Beispiel (oder genauer: Vor den Nobelboutiquen sitzen meistens keine Menschen, die Bürgersteige werden, im Gegensatz zu den sonst üblichen Gepflogenheiten, von Straßengeschäften völlig frei gehalten; die frühstückenden Menschen sitzen dann ein Haus weiter).

Die spannende Frage dürfte sein, wie stark der Zuspruch in der Bevölkerung für die Todesstrafe ist. Meinem persönlichen Eindruck nach: Weiterhin durchaus stark. „Auge um Auge“ scheint für viele Vietnamesen eine logische, schlüssige Regel zu sein. Belastbare Umfragen dazu kenne ich allerdings nicht. Es mehren sich jedenfalls die Stimmen, die sich gegen die Todesstrafe ins Zeug legen.

Der eingangs erwähnte Artikel schließt dann übrigens mit der Frage, ob die Rückkehr zum Erschießungskommando das Problem löst, und zitiert einen Mann, der Teil eines solchen Kommandos war: „Es ist ein Alptraum“, sagt der Mann, und folgert: „Ich glaube, ich bin seitdem etwas verrückt.“

Abschaffung einer grausamen Hinrichtungsart zum Schutz der Henker – vielleicht nicht das naheliegendste, aber sicherlich nicht das schlechteste Argument.

One Response to Unverändert

  1. Gaby says:

    Auch von der oben genannten Tatsache, dass es seit langem keine Vollstreckung der Todesstrafe wegen des Giftmangels gibt, gab es einen kleinen Artikel in der Tageszeitung. Dein ausführlicher Bericht aber zeigt das ganze Dilemma eindrücklich auf.

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