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Öl

Vietnam und China streiten sich bekanntlich um Einflusszonen und Inseln im Südchinesischen Meer (das in Vietnam einfach „Ostmeer“ heißt). In einem Artikel im „Journal of Current Southeast Asian Affairs“ von 2012 habe ich jetzt erstmals konkrete Zahlen gefunden, von welchen wirtschaftlichen Dimensionen wir da sprechen.

Schon vor einem Jahrzehnt fuhren durch das Südchinesische Meer mehr als 40.000 Schiffe (das entspricht der doppelten Zahl von Schiffen, die durch den Suezkanal fahren). Mittlerweile können wir da noch ein paar zehntausend draufschlagen, und im Jahr 2012 schipperte laut Artikel die Hälfte der internationalen geschäftlichen Handels-Tonnage im Laufe ihrer Reise durch unsere Region. Ein sehr großer Teil dieser Schiffe ist mit Öl beladen, wir reden hier von der Route, die sowohl China, Japan als auch Südkorea mit Öl aus dem Nahen Osten versorgt. Genauer gesagt sprechen wir von 80 Prozent der Ölimporte Chinas und jeweils 90 Prozent der Ölimporte Japans und Südkoreas. (Autor Jason Blazevic wird als Experte für Schifffahrtswege und Energie vorgestellt, also nehme ich an, er weiß von was er schreibt.)

Ich muss offen gesehen, mir war bewusst, dass das Südchinesische Meer eine wichtige Durchfahrtsstraße ist, aber diese Dimensionen überraschen mich dann doch etwas. Man beginnt jedenfalls zu erahnen, dass es für China hier tatsächlich um zumindest gefühlte „Sicherheitsinteressen“ geht.

Auch zu den Ölvorräten, die in der Region vermutet werden, äußert sich Blazevic. Mindestens sieben Milliarden Barrel Öl scheinen die konservative Schätzung. Amerikanische Studien glauben, dass es noch 28 Milliarden Barrel mehr sein könnten, chinesische Studien kamen vor zwei Jahren zu dem Schluss, man rede hier sogar von mehr als 100 Milliarden Barrel Ölreserven allein unter den Spratlys und mehr als 200 Milliarden im gesamten Meer. Das entspräche dann mehr als den noch nicht geförderten Ölreserven ganz Europas (auch wenn wir zweifellos von dem Dimensionen des Nahen Ostens noch etwas entfernt sind).

Was nun genau von Schätzungen zu halten ist, die so weit auseinander liegen, darf jeder für sich selbst beantworten. Andere Zahlen hingegen sind etwas leichter zu belegen: Derzeit verbraucht China 10 Millionen Barrel Öl pro Tag, produziert selbst aber nur 5 Millionen. Die in die Zukunft projizierte Verbrauchskurve zeigt steil nach oben. China ist also von Ölexporten abhängig und wird es künftig umso mehr sein. Zum Vergleich: Vietnam verbraucht derzeit 0,3 Millionen Barrel Öl pro Tag, und produziert auch etwa genauso viel. Der Energiehunger des Giganten China ist also, wie unschwer zu erwarten, deutlich größer. Was nicht heißt dass Milliarden an Ölreserven für Vietnam nicht genauso strategisch von Bedeutung sein könnten, nicht zuletzt weil das Land aktuell nur relativ wenige besitzt (nämlich etwa 4 Milliarden Barrel).

Damit sind wir auch schon in dem Bereich, wo es am Ende gar nicht mehr wichtig ist, wie viel Öl denn nun tatsächlich auf dem Meeresboden im Südchinesischen Meer liegt.

Entscheidend ist, dass beide Länder das Gefühl haben, die Region ist nicht einfach nur von wirtschaftspolitischem Interesse, sondern aufgrund diverser wirtschaftlicher Abhängigkeiten von immensem sicherheitspolitischen Interesse. Sowohl in China als auch in Vietnam geht die Angst um, dass man sich in verschiedener Hinsicht angreifbar und höchst verletzlich machen würde, wenn man das Einflussgebiet rund um die Inseln im Südchinesischen Meer aufgibt.

Blasevic, Politikwissenschaftler der er ist, bringt hier die verschiedenen Theorien der Internationalen Politik ins Spiel, die für Laien eventuell schnell verwirrend werden können, insofern greife ich nur den aus meiner Sicht entscheidendsten Punkt heraus: Es macht für gegenseitige Verhandlungen und eventuelle Konfliktlösung einen wichtigen Unterschied, ob Staaten agieren, weil sie sich bedroht fühlen und sich aus Selbsterhaltungstrieb auf Konflikte vorbereiten („defensiver Realismus“) – oder ob sie ihre Macht vergrößern wollen auf Kosten anderer, aus dem simplen Grund um ihre absolute Macht zu stärken („offensiver Realismus“).

Und ganz gefährlich wird es dann, wenn zwei Staaten aus gefühlter Selbsterhaltung agieren, mit der dazu passenden Entschlossenheit, alles für diese Selbsterhaltung zu tun, dem jeweils anderen Staat aber unterstellen, ein reines, aggressives Machtspiel zu betreiben. Das macht Verhandlungen und Lösungen fast völlig sinnlos, weil beide Akteure sich zu allem Überfluss auch noch missverstehen.

Damit wäre die aktuelle Situation um China und Vietnam gar nicht schlecht umschrieben.

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