Falsche Richtung

Ich habe die Tet-Feiertage in Da Nang verbracht, genauer gesagt in einem Ferien-Bungalow, der für eine größere Familie ausgelegt war (drei Schlafzimmer), recht großzügig angelegt, mit einem weiten, offenen Erdgeschoss mit Wohnzimmer, Küche und Esstisch. Kurioserweise befanden sich in diesem gemeinsam verbundenen Erdgeschoss gleich zwei Fernseher, einer im Wohnzimmerbereich, einer vor dem Esstisch. Offen blieb die Frage, ob die beiden Geräte dazu gedacht waren, dass zwei Gruppen gleichzeitig unterschiedliche Filme schauen können (und wie das dann mit der Lautstärke geregelt… (more…)

Verspätetes Neujahr

Ich wünsche allen Lesern an dieser Stelle ein Frohes Neues Jahr. Das Neue Jahr in Vietnam begann am 31. Januar, wir schreiben seitdem das „Jahr des Pferdes“. Ich habe das getan, was ich traditionell an Tet tue: Eine Woche Urlaub. Früher lautete die Regel dabei: Gehe nirgendwo hin, wo gerade Chinesisches (beziehungsweise Vietnamesisches) Neujahr gefeiert wird. Denn in all diesen Ländern bricht für zwei bis sieben Tage das öffentliche Leben zusammen, und das betrifft auch Restaurants und Lebensmittel. Vor zwei… (more…)

Grüntee plus Nachrichten

Kleiner Nachtrag zum Thema Internet und Internetnutzung in Vietnam. Ich bin gestern zu Fuß einkaufen gegangen. Dabei bin ich an insgesamt drei Männern vorbei gekommen, die auf kleinen Plastikstühlen saßen, Tee tranken, und dabei auf ihrem Smartphone herumfingerten. Einer davon hörte offensichtlich Musik, die zwei anderen lasen vietnamesische Internet-Zeitungen. Das ist selbstverständlich eine völlig nicht-repräsentative Menge, und es sind auch nicht die angeblich 90 Prozent Vietnamesen, die laut Nielsen-Umfrage Online-News konsumieren, aber es ich empfand es (so im Vorbeigehen, im… (more…)

Ballon d’Or aus vietnamesischer Sicht

Sage nochmal jemand, die Fifa sei intransparent. Wer sich die Mühe machen will, kann sämtliche Wählerstimmen zum Ballon d’Or, dem Weltfußballerpreis des Jahres 2013 im Internet nachlesen. Und wie haben die drei vietnamesischen Vertreter gewählt? Es gab in den vergangenen zwei Tagen ja so einige Stimmen, die erklärten, die Wahl sei sowieso eine Farce, weil hinterwäldlerische Länder wie die Vanatu oder die Jungferninseln sowieso keine Ahnung von Fußball hätten und deswegen einfach den Spieler wählen würden, den sie zumindest durch… (more…)

Vietnam, Internetland

Ich bin über einen Artikel im „Journal of Current Southeast Asian Affairs“ gestolpert, der zwar zwei Jahre alt ist, aber eine für mich beeindruckende Tabelle enthält: Laut dem Nielsen-Report von 2011 nutzten zu dieser Zeit in Vietnam 56 Prozent der Bevölkerung das Internet. Verglichen mit anderen südostasiatischen Staaten ist das der zweithöchste Wert hinter dem Industriestadtstaat Singapur. Länder mit einem deutlich höheren Durchschnittseinkommen wie Thailand oder Malaysia kommen in dieser Erhebung jeweils nur auf etwa 30 Prozent Internetnutzer. Heruntergebrochen auf… (more…)

151, Kapitel 8: Kakerlake

Das Foto zu diesem Kapitel gehört mit zu den kniffligsten des Buches, es stand mit einer Handvoll anderer Motive bis kurz vor Schluss auf meiner „To Do“-Liste, und ich hatte lange Zeit keine Ahnung, wie ich es organisieren sollte. Das Problem ist nämlich folgendes: Kakerlaken sind eigentlich nachtaktiv. Sie bevorzugen die Dunkelheit, und lassen sich überwiegend nachts erwischen, wenn man in der Küche das Licht anschaltet, und eine Kakerlake schnell über den Boden huscht und unter der nächsten Schrankritze verschwindet.… (more…)

151, Kapitel 7: Wasserbüffel

Für die letzten Wochen meiner Magisterarbeit bin ich damals auf eine Schweizer Berghütte gefahren. Kein Internet, keine Ablenkung, nur die Bücher, der Computer und ich (und meine damalige Freundin; und sehr viel guter Schweizer Käse, frisches Obst, leckere Nudeln und klare Bergluft). Wenn ich mit dem Schreiben oder Korrigieren der Kapitel fertig war, sind wir auf Bergwanderung gegangen. Warum ich das an dieser Stelle erzähle? Weil ich vor den Kühen einen Heidenrespekt hatte. Jeden Moment, dachte ich, würde eine dieser… (more…)

151, Kapitel 3: Reisbauer

Das schöne an einer Buch-Recherche ist, dass man sich selbst noch einmal dazu zwingt, alltägliche Dinge neu zu entdecken, zu hinterfragen und zu erleben. Das Kapitel über Bauern war für mich eines der intensivsten dieser Neuentdeckungen. Ich hatte schon vorher mit Bauern zu tun, und war auch schon zuvor auf dem Land. Mich in Ruhe hingesetzt und mit Menschen vom Land durchdekliniert, was genau sie eigentlich verdienen, und welchen Arbeitsaufwand sie dafür leisten müssen, hatte ich noch nicht. Seitdem sehe… (more…)

151, Kapitel 1: Lac Long Quan

Langjährige Blogleser werden wissen, dass ich an dieser Stelle zu Lac Long Quan eine zweiteilige Artikelserie gemacht hatte. Das erste Kapitel fußt lose auf diesen Blogeinträgen. Es gibt im Buch etwa zwei Dutzend Kapitel, die auf Blogeinträgen basieren. Eigentlich bin ich überrascht, dass es nicht mehr wurden (was natürlich auch langweilig gewesen wäre). Anders gesagt: Es gab sehr viel „vietnamesischen Alltag“, den ich hier im Blog trotzdem nie so richtig erwähnt hatte, oder immer nur ansatzweise. Ich bin normalerweise kein… (more…)

Il n’y a pas photo

151 lebt erheblich von den Fotos. Ein Text, ein Foto – das ist das Konzept. Der Conbook-Verlag wollte bewusst „keine überprofessionellen Hochglanzfotos“, schließlich solle das Buch nicht in der Bildbandabteilung landen (wobei ehrlich gesagt Fritz Schumann mit Japan 151 wohl auch in der Bildbandabteilung stehen könnte). Trotzdem möchte man als Autor ja schöne, passende, hoffentlich auch spannende Bilder. Ich lebe seit sieben Jahren in Vietnam. Ich fotografiere gerne. Meine Festplatte ist ziemlich voll mit Fotos. Eigentlich, hätte man denken können,… (more…)